Die letzten Tage in Brasilien

Als wir um 18 Uhr in Florianópolis ankamen, erwartete uns schon unser nächster Couchsurfing-Host João mit seinem originalen Käfer am Busbahnhof. Ein sehr passendes Auto für einen überdurchschnittlich kleinen Mann. Wir wussten zwar, dass João einen Käfer hat, aber dass er uns damit auch abholen würde, war eine Überraschung. Doch die Freude währte nicht lange, denn so schön die Dinger auch von außen aussehen mögen, gerade platztechnisch muss man bei diesem Gefährt große Abstriche machen (das haben wir noch mehrmals erfahren)...

Bei der Ankunft in Joãos Wohnung erwartete uns eine weitere kleine Überraschung: Er zeigte uns unser Zimmer und was lag da auf dem Bett? Ein paar Schokokekse und eine nette Nachricht „Welcome Alena&Kristina“, dazu ein paar wichtige Informationen notiert und eine Stadtkarte von Florianópolis. Wie lieb!

Nach einem kurzen Spaziergang durch die Nachbarschaft sind wir alle drei zu einem Couchsurfing-Treffen gefahren. Bei solch einem Treffen kommen Leute zusammen, die als Gastgeber (Host) und/oder Gast (Surfer) bei Couchsurfing aktiv sind – und das sind wir ja mittlerweile! In einer Runde vollkommen fremder Menschen hatten wir so einen doch recht unterhaltsamen Abend, was wir vorher wirklich nicht erwartet hätten.  


Da João am Freitagmorgen arbeiten musste, wachten wir erst nach ihm auf und sahen gleich noch eine Überraschung - die dritte innerhalb von nicht mal einem Tag:

Eine eigene Blume und einen Zettel für jede für uns.
Eine eigene Blume und einen Zettel für jede für uns.

Unsere Coucher hatten ja bisher so einiges zu bieten, aber dass uns Blumen auf den Frühstückstisch gestellt wurden, das war wirklich einmalig!

Nach dem späten Frühstück haben wir uns mal wieder nur zu zweit auf den Weg ins Zentrum von Florianópolis gemacht. Schon bei dem CS-Treffen am Vorabend fragten uns einige, warum wir denn ausgerechnet die Innenstadt sehen wollen. Naja, normalerweise bietet das Zentrum ja einige Sehenswürdigkeiten. Aber in diesem Fall hatten wirklich alle Recht, in Floripa-Zentrum gibt’s nichts wirklich Interessantes zu sehen (wenn jemand anderer Meinung sein sollte, darf er diese gern in einem Kommentar Kund tun!).  

Deshalb waren wir auch schon nach nur kurzer Zeit wieder zurück in der Wohnung. Als João um halb vier nach Hause kam, sind wir in den kleinen Käfer gestiegen und zu einem Strand im Süden der Insel gefahren, wo wir bis nach Sonnenuntergang geblieben sind. Obwohl die Fahrt recht lang war, hat sie sich auf jeden Fall gelohnt. Das, was Florianópolis nämlich so beliebt macht, ist nicht die Stadt selbst, sondern die ganzen Strände der Isla Santa Catarina, auf der Floripa liegt.


Das Zentrum von Florianópolis als Brücke zwischen Festland und Insel, die anderen Stadtteile in allen Himmelsrichtungen entlang der Inselküste.

Eigentlich wollten wir abends gemeinsam etwas essen oder kochen, aber unser Gastgeber fühlte sich schon auf der Heimfahrt nicht so gut. Als er dann, kaum zu Hause angekommen, gleich über der Schüssel hing, beschlossen wir spontan auswärts zu essen... Diese Entscheidung hat uns eines der besten Sushis beschert, das wir beide jemals gegessen haben.

Zum Glück ging es João am nächsten Tag wieder gut und wir konnten seine Idee, einen Strandtag in Lagoa einzulegen, in die Tat umsetzen. Allerdings war unsere Vorstellung eines Tages am Strand etwas anders als seine. Für uns beide ist ein Strandtag eben... ein Tag am Strand. Da legt man sich auf ein Tuch, genießt die Sonne, geht ab und zu ins Meer um sich abzukühlen, liest vielleicht ein bisschen, ist aber im Großen und Ganzen faul und bewegt sich nicht viel. Nicht, dass João auf Sport aus gewesen wäre, aber die Sonne war ihm zu heiß, überall dieser nervige Sand, nichts tun wäre zugegebenermaßen nicht so seins und dann auch noch ein Hunger, der ihn plagte. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er doch gerne tun könne, was er mag, aber dass wir auf jeden Fall am Strand bleiben möchten. Seine Idee von einem perfekten Strandtag, in einer Bar im Schatten sitzen, mit einem Bier in der Hand, das war nun wirklich nicht das, was wir wollten.

Überhaupt unterschieden sich viele unserer Ansichten von den seinen, weshalb wir letztendlich auch öfter mit ihm diskutiert haben als uns lieb war. Das soll jetzt nicht heißen, dass wir uns mit ihm nicht verstanden hätten. Nein, wir haben nur seine Meinung(en) nicht geteilt.

Deswegen waren wir auch nicht ganz unglücklich als er uns gegen Abend zu unserer nächsten Couchsurferin nach Ingleses, einem nördlichen Stadtteil von Floripa am Strand, gebracht hat (er war in der Nähe zum Essen eingeladen, deshalb konnte er uns direkt dort hin bringen). Fliegender Wechsel sozusagen ;-) Und ja, ihr habt richtig gelesen. CouchsurferIN! Zum ersten Mal seit San José/Costa Rica, wo wir bei Eli übernachtet haben, hat sich eine Frau als Gastgeberin angeboten. Ihr Name war Lívia und schon bei der herzlichen Begrüßung wussten wir: Jawoll, hier sind wir gut aufgehoben. Es ist einfach etwas anderes, wenn in einer Wohnung überall Pflanzen stehen, auf Stühlen hübsche Sitzkissen liegen, die Seife im Bad in einen zur Einrichtung passenden Spender gefüllt wurde, auf allen Tassen die gleichen Motive drauf sind und sich im Küchenschrank mehr als ein Topf und eine Pfanne befinden. Sorry liebe Männer, aber dieser allumfassende Sinn für Stil und Harmonie ist euch einfach nicht gegeben!

 

Glücklicherweise hatte Lívia noch viel von ihrem Abendessen des Vortages übrig, was uns mit unserem Hunger ganz gelegen kam. Wir mussten es nur aufwärmen und hatten danach noch Zeit, den Samstag Abend für einen Barbesuch zu nutzen. Spätestens da brach der letzte Rest Eis und wir hatten ein paar witzige Stunden bei Bier, Caipis und Chips. Um kurz vor 12 sind wir allerdings nach Hause, da wir unbedingt um Mitternacht anstoßen wollten. Alena hatte ja Geburtstag! Krissi hat sie deswegen ein paar Minuten vor zwölf ins Schlafzimmer geschickt um eine kleine Überraschung vorzubereiten. Mit einem Geburtstagsständchen und einem Gläschen Sekt wurde das Geburtstagskind wieder in der Küche empfangen und durfte die Kerzen ausblasen. Was für eine schöne Überraschung!  

Die fertigen Brigadeiros, kleine Kunstwerke
Die fertigen Brigadeiros, kleine Kunstwerke

Wie es sich für einen Sonntag (speziell für einen Geburtstagssonntag) gehört, waren wir faul am Strand von Ingleses gelegen und haben die Sonne genossen. All der Strände wegen sind wir schließlich nach Florianópolis gekommen! Leider zogen gegen Nachmittag dunkle Regenwolken auf, doch wir hatten sowieso vor, irgendwann im Laufe des Sonntages sogenannte Brigadeiros zu machen. In Brasilien ist das die typische Süßspeise für einen Geburtstag. Da wir schon seit dem ersten Probieren wissen wollten wie man das herstellt, bot sich Lívia an, es uns zu zeigen. Und wir waren uns alle drei einig: Projekt „Brigadeiro“ ist gelungen!

Gar nicht so einfach: Die Masse für Brigadeiro muss man pausenlos rühren. 20 Minuten mindestens, wenn einem vorher nicht der Arm einschläft...
Gar nicht so einfach: Die Masse für Brigadeiro muss man pausenlos rühren. 20 Minuten mindestens, wenn einem vorher nicht der Arm einschläft...


Auch die nächsten beiden Tage waren wir wieder Stränden (Montag Sotinho und Dienstag Canasvieras). Im Gegensatz zu João hatte Lívia nämlich die exakt gleiche Antwort wie wir auf das, was man an einem Strandtag wohl so tut: Nichts :-)

Außerdem haben wir noch Lívias Mama besucht, die uns gleich ganz offen einen Kuchen und eine Tasse Tee angeboten hat, als wären wir langjährige Freunde der Familie. Diese Brasilianer, einfach nicht zu toppen in puncto Freundlichkeit!

Abends sind wir in einem Restaurant Rodizio de Pizza gelandet. Wer erinnert sich, was das ist? Na? Genau! All-you-can-eat für Pizza. Leider hatten wir nicht das Glück wie in São Paulo, die einzigen Gäste zu sein, sondern mussten ganz normal auf die Kellner warten, die mit den Pizzen von Tisch zu Tisch gingen. Uns hat es natürlich wieder super geschmeckt, wir konnten bei fast jeder Pizza, die uns angeboten wurde zugreifen. Lívia war allerdings etwas gnatschig, was den Belag anging und wurde wütend, als nach knapp einer halben Stunde immer noch nicht die Sorte Margaritha kam. Keine Champignons auf der Pizza, keinen Thunfisch, keine Zwiebeln, keine Salami, keinen Schinken, keine Ananas, kein nichts. Bei so einem Anspruch hat man es bei einem Rodizio de Pizza wirklich nicht leicht. Da war sie schon ein bisschen selbst Schuld... Aber was soll's, wir haben vorher 10x gefragt, ob sie auch Lust drauf hat, was sie bejaht hat. Am Ende bekam sie noch ihre Stücke Margharita und wir haben uns über eine weitere Möglichkeit gefreut, süße Pizza mit Schokosoße und frischen Erdbeeren zu essen. Wer weiß, wann wir das nächste Mal diese Gelegenheit haben werden.

Dieser Abend war nämlich schon unser letzter in Florianópolis, der Stadt der vielen Strände.

 

Lívia hat uns morgens am 28.1. auf dem Weg zu ihrem Thai-Boxing-Training zur Busstation von Ingleses gebracht, von wo aus wir zum zentralen Busbahnhof weiter gefahren sind. Nach etwas Wartezeit fuhr unser neunstündiger Bus nach Porto Alegre los, unserem letzten Ziel in Brasilien.

Dort angekommen, wurden wir von Renan empfangen. Er war ausnahmsweise mal kein Couchsurfer, sondern ein Kontakt eines Bekannten von Kristina. Wie sich herausstellte, wohnte Renan nicht direkt in Porto Alegre, sondern etwa 20 Minuten außerhalb im beschaulichen Städtchen Gravataí – wo sein Vater zufällig Bürgermeister ist.

Wir wären nicht in Brasilien, wenn wir nicht direkt nach unserer Ankunft schon wieder einer Einladung hätten folgen müssen. Eine Freundin Renans veranstaltete auf der Dachterrasse ihrer Wohnung ein Churrasco (was sonst...), wo wir uns mal wieder ohne jegliche Gegenleistung außer Reiseberichten den Magen vollschlagen durften. Trotz der Tatsache, dass es Mittwoch und somit wörtlich unter der Woche war, wollte Renan nach dem Grillen noch Feiern gehen. Gut, waren wir schon lange nicht mehr, also warum nicht. Dank der Beziehungen als Bürgermeistersohn kamen wir durch unseren Gastgeber sowohl kostenlos in den erstaunlich vollen Club als auch an die Getränke. Hach ja, das gute Vitamin B...

Vielleicht lag es an dieser durchzechten Nacht, dass wir ab dem nächsten Tag bis zu unserer Abfahrt drei Tage später ziemlich träge waren, vielleicht aber auch an dem wenigen Ansporn, den uns Gravataí und Porto Alegre baten, sie anzuschauen. Mehr dösend als wach saßen wir jedenfalls am nächsten Tag in Renans Auto, der uns die Highlights von Porto Alegre zeigen wollte. Aber nicht mal er hatte zu irgendwas Lust und so waren wir uns schnell einig, die Sehenswürdigkeiten eben mal fix per Auto abzuklappern und dann lieber gemütlich einen Kaffee trinken zu gehen.



Links: Die angeblich schönste Straße Brasiliens. Da kann man jetzt denken, was man will...

Die nächsten Tage bei Familie Fortes Alba verliefen ohne größere, spannende Zwischenfälle. Wir haben gemeinsam mit Renan dessen Mutter und Schwester besucht, mal zusammen gekocht, mit einem Freund unseres Couchers einen kleinen Berg bestiegen und natürlich gab es am Abschiedsabend ein... Churrasco. Vom Gravataíer Bürgermeister persönlich für uns zubereitet. Was für eine Ehre. Der war übrigens wirklich witzig und wir hatten bei den gemeinsamen Mahlzeiten einiges zu lachen, da er erstens kein Englisch sprach und somit Renan immer übersetzen musste, was ihm aber bei absurden Fragen wie „Baut ihr in Deutschland Tomaten an?“ mitten aus dem Nichts oft nicht leicht fiel. Zweitens hat er sich kaum geniert, am Tisch auch mal ein bisschen zu singen und sämtliche Instrumente mit Mund und Händen nachzuahmen. Herrlich!

Der Abend war auf jeden Fall ein gelungener Abschluss für Brasilien, diesem tollen Land, was wir wirklich lieben gelernt haben. Doch Bürgermeister hin oder her, unser unangefochtener Churrasco-Meister ist und bleibt Renato, der alte Nerd! Aber wie sagt man bei uns in Franken so schön: Wä kou, dä kou (Wer kann, der kann).

Kommentare: 1
  • #1

    Der Chrissi (Freitag, 20 März 2015 19:33)

    Also der kleine Park unterhalb der Kathedrale von Floripa mit der 140 Jahre alten Würgefeige und den netten Jazz-Musikern war schon mal sehr sehenswert ;)