Montezumas... Aussöhnung :-)

Am 26.10. machten wir uns früh morgens auf zur Bushaltestelle von Puerto Viejo, um von dort aus mit einem Bus (dessen Sitzabstände eher für südamerikanische Größen-verhältnisse als für europäische gedacht waren) nach San José zu fahren. In San José angekommen ging es auch problemlos weiter direkt nach Montezuma.

Hier mal eine kurze Zwischenanmerkung: Wir haben festgestellt, dass wir zwar kein Glück mit dem Wetter haben, dafür sind wir gesegnet mit reibungslosen Verbindungen zwischen unseren Zielen. So viel Glück mit pünktlichen Bussen und Mitfahrgelegenheiten haben nicht viele :-)

Mit der Autofähre ging es eineinhalb Stunden zur Halbinsel Nicoya und weiter im Bus zu dessen Endhaltestelle Cobano. Das letzte Stückchen nach Montezuma legten wir wieder einmal in einem alten amerikanischen Schulbus zurück, wobei wir dachten, die Strecke wäre für diesen unmöglich zu überwinden. Schotterpiste mit Buckeln und Löchern, dass wir uns eher wie auf dem Mond als wie auf der Erde vorkamen... Deshalb benötigten wir auch sage und schreibe 30 Minuten für ca. sieben Kilometer.

Nach rund 13 Stunden Reisedauer waren wir dann wirklich froh, endlich in unserem Hostel "Pura Vida" ins Bett zu fallen. Dieses stellte sich die nächsten Tage als klein und schnucklig heraus, wurde aber von einer Meute lauter Italiener belagert, die sich zu jeder Tageszeit ihre Joints anzündeten. Immerhin waren sie aber so freundlich, uns zu fragen, ob uns das vielleicht störe ;-) 


Wir fühlten uns trotzdem recht wohl, so mitten im Urwald und umgeben von Affen und anderen Tieren.

Am nächsten Tag sollten wir auch noch andere Bewohner Montezumas zu Gesicht bekommen. Wir erkundeten vormittags das Dorf und den Strand, an dem wir eine Schildkrötenaufzuchtstation entdeckten. Natürlich haben wir den arbeitenden Helfer gleich gefragt, wann denn die nächsten Schildkröten schlüpfen. Mit einem Wink auf den Schlüpfkalender hat er uns eine sehr freudige Antwort gegeben: Wir hätten Glück, heute Nacht wären zwei Nester geschlüpft und es ist üblich, am Nachmittag die Nester per Hand auszugraben um zu sehen, ob etwas schwächere Schildkrötenbabys den Weg aus dem Sand nicht geschafft haben. Wir könnten also gern heute Nachmittag vorbei kommen und dabei sein, wenn gegraben wird. Das ließen wir uns nicht zwei Mal sagen und machten uns gegen 16 Uhr erneut auf zur Rettungsstation. Und tatsächlich: In einer silbernen Schüssel wuselten zehn Schildis umher!! Wir waren nicht die einzigen Beobachter, aber wir waren die geduldigsten. Und das hat sich ausgezahlt! Auf Nachfrage haben wir jeweils einen Gummihandschuh bekommen und durften selbst die Schildkrötchen auf den Sand setzen und dann zusehen, wie sie alle sofort Richtung Meer gewatschelt sind. Sehr goldig.

Ihr Kampf gegen die Brandung hat allerdings schon allein vom Zuschauen müde gemacht. Unglaublich, was diese kleinen Tierchen leisten müssen. Erst stoßen sie sich durch ihre Eierschalen, dann graben sie sich ungefähr 40cm an die Oberfläche und schließlich müssen sie auch noch gegen die Wellen kämpfen, die sie immer wieder zurück an den Strand spülen, nur um am Ende höchstwahrscheinlich gefressen zu werden. Von 1000 Schildkrötenbabys überlebt nämlich im Schnitt nur ein einziges so lange, bis es groß genug ist, um nicht mehr gefressen zu werden. Eine ganz schön traurige Bilanz...


Trotzdem, dieser Nachmittag/Abend war für uns die Aussöhnung für die immer ganz knapp verpassten Schildkröten in Morrillo/Panama. Wir haben zwar keine Eiablage und auch keinen natürlichen Schlüpfvorgang beobachtet, aber normalerweise passiert das auch alles immer nachts zwischen 22 und 6 Uhr - also genau dann, wenn es dunkel ist. So konnten wir das Ereignis nicht nur mit den Kameras festhalten, sondern waren auch noch total ausgeschlafen ;-)

Außerdem haben wir einen der schönsten Sonnenuntergänge der bisherigen Reise gesehen. Hach, Montezuma hatte uns zu dem Zeitpunkt schon komplett auf seiner Seite...

Auch an den folgenden zwei Tagen hat es uns wieder an die schönen Strände Montezumas verschlagen, wobei wir für den letzten erstmal zwei Stunden auf dem Sendero del Sueño verde (Pfad des grünen Traums) gewandert sind. Eigentlich braucht man für diesen Pfad nur ungefähr eine dreiviertel Stunde, aber wir konnten unsere Blicke nicht vom Boden heben. Überall lagen Muscheln. Abertausende!! Wir haben ganz fleißig gesammelt und uns schon die tollsten Dinge überlegt, die wir daraus basteln wollen. Jetzt haben wir ein Kilo Muscheln, Samen und Treibholz, aber ob die es irgendwie nach Deutschland schaffen - mal sehen. Wir haben schließlich begonnen, nach dem Motto "Erst machen, und dann eigentlich gar nicht mehr viel denken" zu leben und zu reisen. Wenn wir die Muscheln irgendwie nach Hause kriegen, dann ist alles wunderbar. Und wenn nicht, tja, dann hatten wir wenigstens eine schöne Beschäftigung :-)

Der "große Strand" (Playa Grande), an dem wir nach unserem ausgedehnten Spaziergang ankamen, war bevölkert von unzähligen Krebsen und sogar ein Pferd ist an uns vorbei getrottet. Seelenruhig, kein Mensch in Sicht, der der Halter hätte sein können, hat es sich genüsslich im Sand gewälzt und ist dann am Horizont verschwunden. Sachen gibt's in Costa Rica...

Nachdem wir das gesehen hatten, weshalb wir nach Montezuma gefahren sind, die Schildkröten, konnten wir uns am 30.10. wieder auf den Rückweg nach Panama machen. Wir haben nämlich spontan beschlossen, noch einen Abstecher auf die San Blas Inseln zu machen, bevor wir am 7.11. nach Ecuador weiter fliegen. Also tschüss Montezuma, schön war's. Auf nach San José, zu unserer ersten Couchsurferin Eli.

Eli und eine andere Couchsurferin, Chelsea aus Australien, haben uns ganz komfortabel vom Busbahnhof in San José abgeholt und direkt zu einem anderen gebracht, von dem aus die Busse nach Panama City abfahren. Wir haben uns unsere Tickets für den Nachtbus gesichert und wollten danach alle zu viert noch auf einen Aussichtspunkt etwas außerhalb der Stadt, da für eine richtige Stadtbesichtigung die Zeit fehlte. Wir saßen schon im Auto, als es so sehr zu regnen angefangen hat, dass man noch nicht einmal mehr 10m weit blicken konnte. Also haben wir kurzerhand unseren Plan geändert und sind in eine supermoderne Mall gefahren. Als wir dort zum Spaß in ein paar Klamottenläden waren, sind uns drei ausländischen Reisenden schier die Augen übergelaufen: Soooo viele tolle Sachen und wir rennen mit unseren 0815-Kleidern rum. Aaaahh, wir wollen mal wieder so richtig einkaufen und wieder schöne Klamotten tragen... 

Stattdessen haben wir uns im nächsten Supermarkt Schokolade und Karamell-Popcorn gekauft und einen 3D-Filmabend bei Elis Freund veranstaltet. Wir haben uns alle gleich so gut verstanden, dass es wirklich traurig war, dass wir nur eine Nacht dort geblieben sind. Allerdings hat San José an sich wirklich nichts zu bieten, weshalb es zumindest darum nicht schade war.

Eli war nicht nur total hilfsbereit und sympathisch, sie hat uns auch endlich erklärt, was es mit dem Spruch „Pura vida“ auf sich hat, den wir überall gelesen und gehört haben. “Pura vida“ bündelt in sich alles Gute und man kann es deshalb als Verabschiedung sagen, eine Person kann pura vida sein, wenn man sie als aufrichtig und gut empfindet, „Pura vida“ dient als Ausruf der Freude und noch vieles mehr. Costa Rica es pura vida - Costa Rica ist pures Leben. In diesem Spruch liegt viel Wahres. Es gibt noch so viel, was wir hier hätten sehen und erleben können. Aber irgendwann musste ja der Zeitpunkt kommen, an dem wir zum ersten Mal sagen: Hier müssen wir irgendwann nochmal her.
Und jetzt auf zum Bus, der uns in 15 Stunden nach Panama City bringt!

Kommentare: 3
  • #3

    Marlen (Freitag, 12 Dezember 2014 16:51)

    Auf euer Abenteuer mit der selbstgemachten heißen Schokolade und dem Käuterschamanen bin ich besonders neidisch ;-)

  • #2

    Mama (Dienstag, 18 November 2014 08:11)

    Also Bribri und euer Kräutermann, da wäre ich ja sooo gerne dabei gewesen und vielleicht ein paar Tage länger. Janosch hatte also recht mit "Oh wie schön ist Panama". Eure Erzählung reizt mich jedenfalls dieses Land als Urlaubsziel ins Auge zu fassen.

  • #1

    Onkel Dietmar (Dienstag, 11 November 2014 08:56)

    Alena, ich bewundere deine Sportlichkeit. Ich wusste gar nicht, dass du so hoch springen kannst. Dein hoher Spagat-Sprung am Strand (war da ein Trampolin in der Nähe ?) ist ja schwindelerregend.
    Bei uns daheim sagt man, die Sprünge sind so hoch, da passt gerade eine Zeitung darunter......Hauptsache ihr habt euren Spaß....