San Blas/Guna Yala - Inseln zum Träumen

Die Busfahrt von San José nach Panama City ging weitgehend reibungslos über die Bühne, einzig der Grenzübergang von Costa Rica nach Panama hat uns kurz mal sehr aufgeregt. Über den Landweg aus Panama auszureisen ist kein Problem, wie wir ja schon festgestellt haben. Über diesen Weg dort einzureisen dagegen schon. Niemand hat uns gesagt, dass man 500$ in bar vorweisen muss, wenn man nach Panama einreisen will! Alena kam nicht drum herum, bei ströhmendem Regen in einen nahe gelegenen Copyshop zu rennen (was für ein Zufall, dass es dort an der Grenze einen gab...) und sich für teuer Geld einen Nachweis über ihren Kontostand auszudrucken. Bei Kristina hat es auf wundersame Weise auch ohne Nachweis funktionert. Willkommen im Land der Willkür!

Wir waren schon dabei, wieder in den Bus einzusteigen, als wir gefragt wurden, ob wir schon die Zollkontrolle hinter uns hätten. Zollkontrolle? Ja, dafür müssten wir hier so einen Wisch ausfüllen und deshalb läge auch das gesamte Gepäck vor dem Bus. Oh man, wir haben uns also unsere Rucksäcke geschnappt und sind schon etwas genervt bei den Zollbeamten in einem gefliesten Zimmer angekommen, in dem außer zwei Tische und ein Stuhl nichts stand. Keiner der vier Panamaer hat sich auch nur einen Zentimeter bewegt, bis wir sie etwas harsch aufgefordert haben, doch bitte endlich ihre Arbeit zu machen. Träge hat sich eine Frau auf den Tisch mit unseren Rucksäcken zubewegt und wollte, dass wir unsere Rucksäcke öffnen. Stichprobenartig hat sie ein paar Klamotten begutachtet und gefragt, was wir sonst noch transportieren. Schuhe, noch mehr Klamotten, Handtücher – was denn sonst?? Ahja, dann könnten wir unser Gepäck jetzt wieder einräumen und gehen. Den Zettel, den wir vorher ausgefüllt haben, hat sie nicht einmal angeschaut. Dieser ganze Aufwand für eine Minute Inspektion? Das ist doch alles Schikane, mehr nicht!

Nach 15 Stunden Fahrt sind wir schließlich um 3 Uhr nachts in Panama City angekommen und ließen uns zum Hostel Villa Vento fahren, in dem wir schon die ersten beiden Nächte in Panama City verbracht hatten und die uns unsere Tour zu den San Blas-Inseln organisiert haben, die wir am nächsten Tag antreten wollten. Wir durften den Rest der Nacht kostenlos auf den Sofas im Gemeinschaftsraum schlafen und uns morgens auch an den Frühstücks-Pancakes bedienen. Den Tag haben wir dafür genutzt, uns für unseren Aufenthalt auf den Inseln einzudecken und die letzten zwei Tage vor unserem Flug nach Ecuador zu organisieren.  

Nach 15 Stunden Busfahrt tut die Abkühlung im Hostelpool sooo gut!
Nach 15 Stunden Busfahrt tut die Abkühlung im Hostelpool sooo gut!

Kurz mal zur Erklärung: San Blas, oder auch Guna Yala, ist eine Inselgruppe im Nordwesten von Panama, zu der man ausschließlich mit Shuttles kommt oder selbst mit einem Auto dorthin fährt. Es gibt keinerlei öffentlichen Verbindungen. Da dieses Gebiet dem Ureinwohnervolk der Guna gehört, haben diese sich natürlich ein paar Möglichkeiten ausgedacht, mit ihren schönen Inseln gut Geld zu verdienen. Für das Betreten des Gebiets sind 10$ fällig, 2$ zahlt man für die Nutzung des Hafens, die Bootsfahrt auf die Inseln wird je nach Strecke mit 5-15$ pro Person berechnet und mit einem Mindestpreis von 26$ pro Nacht und Person in einem Hüttchen (immerhin mit Vollverpflegung, wenn auch sehr kümmerlicher) verdienen sie auch nochmal ordentlich dazu. Allerdings müssen wir nunmal zugeben: Es ist eben auch wunderschön dort, weshalb so viele Leute bereit sind, diese Preise zu bezahlen.

365 Inseln zählen zu San Blas - für jeden Tag des Jahres eine, heißt es. 

Doch zurück zum Reiseverlauf.

Wir wurden am 2.11. überpünktlich um viertel statt halb sechs morgens am Hostel abgeholt, unsere Rucksäcke auf das Dach des Jeeps verstaut und wir auf der höchst unbequemen Rückbank, unsere Füße auf Höhe unserer Sitzpolster (also alles andere als bequem...). Wir holten immer mehr Leute von verschiedenen Hostels und Hotels ab, sodass wir am Ende zu neunt in dem Auto saßen, das eigentlich nur für sieben Personen ausgelegt war. Aber wir waren optimistisch, es sollten ja „nur“ drei Stunden Fahrt sein. Eineinhalb Stunden ging es auch fast nur geradeaus, aber dann – uiuiui -ging es hoch und runter wie in einer Achterbahn, nur dass wir in einem echten Auto saßen statt in einem gesicherten Sitz eines Fahrgeschäftes... Wer sich ein Bild von diesem Höllentrip machen möchte, dem sei folgendes Video ans Herz gelegt (von einem wahnsinnigen Motorradfahrer gefilmt, wobei seine Geschwindigkeit auch der unseres Fahrers entsprochen hat):

https://www.youtube.com/watch?v=5Z_AVRAuhmk

Zum Einstimmen: die ersten 2-3 Minuten

Richtig kurvig und auf und ab geht’s dann ab Minute 5.30 bis so lange wie ihr's aushaltet ;)

Blick von der Straße auf ein paar der Inseln
Blick von der Straße auf ein paar der Inseln

Nachdem wir irgendwann mit wackeligen Knien endlich aus diesem verteufelten Fahrzeug mit dem irren Fahrer aussteigen durften, mussten wir am Anleger, einem kleinen Fluss, der ins Meer mündet, über eine Stunde auf unser Boot warten. Überhaupt war alles so unglaublich chaotisch: Niemand sagte uns, in welches Boot wir steigen sollten, wann es los ginge und auf welche Insel wir denn nun gefahren würden. Zwischenzeitlich hieß es nämlich, dass die Insel, auf der wir unsere Hütte reserviert haben, schon voll belegt sei! Da wir die komplette Organisation ja dem Hostel in Panama City überlassen haben, hätte es auch durchaus sein können, dass die Info stimmte. Doch am Ende kamen wir auf Franklin (oder auch Tuba Senika in der Sprache der Einheimischen Gunas) an und bezogen unser privates Hüttchen. Schon der Weg zu der Insel war ein Traum. Blauer Himmel, Sonnenschein unzählige Inselchen um uns herum.

Gunas in ihrem Element
Gunas in ihrem Element
"Unsere" Insel: Franklin / Tuba Senika
"Unsere" Insel: Franklin / Tuba Senika

Viel zu erkunden gab es auf Franklin nicht, da die Insel geschätzt nicht einmal 200m Durchmesser hatte! Absolutes Robinson-Crusoe-Feeling also. Eine Insel aus Sand mit Palmen und (zugegebenermaßen etwas vielen) Palmenzweighütten, mehr gab es nicht. Trotzdem haben wir uns am ersten Tag sehr wohl gefühlt und dieses kleine Paradies genossen.  


Dass leider doch nicht alles ganz so paradiesisch war wie gedacht, haben wir dann im Laufe der Tage mitbekommen. Unsere Gastgeber auf der Insel hatten nie ein Lächeln für uns übrig, das Essen wurde uns in der nach Inselkantine anmutenden Esshütte fast wörtlich vor die Nase geklatscht (immer Reis mit Hühnchen oder Fisch) und schmeckte nach nichts.

Mit Luxus hat ein Aufenthalt in San Blas generell wenig zu tun. Die Toiletten haben keine Spülung, stattdessen schüttet man einen Eimer mit Meerwasser hinein; die Hähne der Süßwassertanks für die Duschen wurden erst ab 17 Uhr aufgedreht, aber auch nur, wenn am jeweiligen Tag Süßwasser angeliefert wurde (was nicht jeden Tag geschah), Licht gab es nur zwischen 18 und 23 Uhr. Außerdem hatten wir leider das Pech, dass Panama gerade Unabhängigkeitsfeiertage hatte und somit alle Städtler über das verlängerte Wochenende auf die Inseln geflohen sind. Wir mussten das Inselchen also mit ca. 50 feierwütigen Panamaern teilen.

Wir haben trotzdem das Beste aus unserem Aufenthalt gemacht und uns als kleines Schmankerl am zweiten Abend eine Languste für 10$ gegönnt, die mal eine Abwechslung im Geschmack darstellte nach all dem faden Reis und Hühnchen.

Da wir insgesamt drei Nächte in San Blas eingeplant hatten, wollten wir uns für die letzte Nacht noch etwas richtig tolles gönnen und auf eine etwas teurere Insel umziehen, Isla Sol y Playa. Doch die Organisation erwies sich als deutlich komplizierter als gedacht. Obwohl wir direkt nach dem Frühstück (kaltes Rührei und latschiges Brot) direkt den Inselbesitzer Franklin aufgesucht und ihn gebeten haben, nach freien Hütten auf Sol y Playa zu fragen, haben wir bis zum Folgetag, unserem Umzugstag, keine endgültige Antwort erhalten – obwohl wir im Laufe des Tages bestimmt sechs oder sieben Mal nachgefragt haben. Erst hatte er die Telefonnummer von der Insel nicht, dann hat er angeblich niemanden erreicht, der die Nummer vielleicht haben könnte, dann wollte er plötzlich sowieso zur Insel fahren und dabei gleich mit dem Besitzer dort sprechen, hat in Wirklichkeit aber nie seine Insel verlassen. Wir haben schon deutlich gemerkt, dass wir bei jedem Auftauchen in seiner Hütte noch mehr Augenrollen hervorgerufen haben, doch locker zu lassen kam nicht in Frage.

Morgens am nächsten Tag haben wir noch nach einem Boot gefragt, was nach Sol y Playa fährt, doch als wir wieder nur die Antwort „Sorry, ich bin gerade beschäftigt“ zu hören bekamen, ist uns der Kragen geplatzt. Wenn dieser alte Griesgram nicht mit uns spricht, nehmen wir das jetzt selbst in die Hand! Gesagt, getan. Zehn Minuten später saßen wir in einem Wassertaxi auf unsere Wunschinsel, endlich weg vom Gewusel und den unfreundlichsten Gastgebern, die man sich vorstellen kann.

Nach nur 15 Minuten Bootsfahrt sind wir in einer ganz anderen Welt angekommen: Schon am Strand wartete Irón, der Besitzer von Sol y Playa mit einem Lächeln auf uns. „Herzlich willkommen auf meiner Insel, fühlt euch wie zu Hause.“ Er hatte von den drei (!!!) Hütten glücklicherweise noch eine mit Doppelbett frei und ließ sie sofort für uns herrichten. Zwei Guna-Frauen haben Hängematten für uns vor unserer Hütte aufgehängt und Irón führte uns persönlich herum und erklärte, wie alles funktionierte und wann die Essenszeiten waren. Und falls wir irgendein Anliegen hätten, er wäre Tag und Nacht für uns da. Hach, DAS ist ein Gastgeber, wie er zu einem Paradies wie San Blas gehört. Wir kamen aus dem Grinsen überhaupt nicht mehr heraus. Als es dann zu Mittag auch noch gedünstetes Gemüse mit Salat und einer kostenlosen Languste gab, also keinen Reis und kein Hühnchen, war es um uns geschehen. Wäre nicht schon der Flug nach Guayaquil/Ecuador gebucht, wären wir wohl immer noch auf Sol y Playa. Nach einem Schnorchelausflug am Nachmittag haben wir unseren Inseltraum bei Lagerfeuer am Strand und in Gesellschaft der vier anderen Inselgäste ausklingen lassen.

Bei unserer Rückkehr nach Panama-City (ja, wir haben ein zweites Mal die Horrorstraße überlebt) kam es uns schon fast so vor, als kämen wir nach Hause. Panama-City – unser Basislager :) Da wissen wir einfach, wo was ist, in welchem Supermarkt es die günstigsten Produkte gibt und wie man wie ein Einheimischer mit den öffentlichen Bussen fährt. Unser Couchsurfer für die beiden Tage, John, war sehr nett und hat uns mit allem sehr gut geholfen. Bevor wir am 7.11. nach Ecuador fliegen, wollten wir unbedingt noch auf den Fischmarkt, Ceviche essen, und in das größte Einkaufszentrum Mittelamerikas, die Albrook-Mall. Hinter beides können wir einen Haken setzen, genau wie hinter das ganze Kapitel Panama. Mit Galapagos wartet nun ein neuer Teil der Reise auf uns. Wir freuen uns natürlich, doch Janosch hat schon Recht: Oh, wie wirklich wunderschön ist Panama!  

Ceviche auf dem "Mercado de Mariscos"
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Mega-Mall Albrook. Wie in der schrillsten Einkaufsfantasie
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