Von Havanna nach Panama

Panama City und Panama-Kanal aus der Vogelperspektive im Flugzeug
Panama City und Panama-Kanal aus der Vogelperspektive im Flugzeug

Man stelle sich folgende Situation vor: Zwei ausgehungerte und vom Rest der Welt abgeschotte Reisehühner kommen an einem Flughafen an, der einem Shopping-Center gleicht: Mit Parfümerie, Dunkin' Donuts, Kaffeeständen, freier Wlan-Zone und kostenlosen Toiletten inkl. Klopapier. Klar, die Hühner flippen total aus.

So ging es uns bei unserer Ankunft in Panama City.  

Wahre Freuden
Wahre Freuden

Nachdem wir auch die Passkontrolle, trotz Verbrecherbild und Einscannen der Fingerabdrücke sämtlicher Finger, recht zügig hinter uns gebracht hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Bus ins Stadtzentrum. Die Bushaltestelle befindet sich ganz unkomfortabel außerhalb des Flughafengeländes, weshalb wir mit unserem gesamten Gepäck eine viertel Stunde laufen mussten bis wir endlich an der richtigen Haltestelle standen. Jeder hat uns aber freundlich weitergeholfen, wenn wir nachgefragt haben und außerdem wurde uns nicht ein einziges Taxi aufgedrängt. Das sind doch schon sehr positive erste Eindrücke dieses Landes!

Als dann auch noch der Bus direkt kam und wir die letzten beiden Sitzplätze ergattert haben, lief endlich mal alles wie am Schnürchen. Während der Fahrt saßen wir zwischen lauter Einheimischen und haben die Kinoatmosphäre im Bus bewundert. Vorne im Bus war nämlich ein großer Bildschirm angebracht, auf dem mit höchster Lautstärke ein Film lief, sodass man sich nur schwer unterhalten konnte. Wie im Kino eben.

Nach 40 Minuten kamen wir zwischen Wolkenkratzern und vierspurigen Stadtautobahnen an und haben uns wohl den planlosesten Taxifahrer Panamas ausgesucht, um uns zum vorher gebuchten Hostel "Villa Vento Surf" bringen zu lassen. Der Taxifahrer führte ca. 100 Telefonate um auch beim 101. Mal immernoch nicht zu wissen, wo die Adresse Calle 47, Marbella, Casa 7 ist. Für fünf Kilometer haben wir letztendlich eine knappe Stunde gebraucht, aber immerhin kamen wir dann auch tatsächlich im richtigen Hostel an.

Eine kleine Oase inmitten von Betonriesen: Unser Hostel Villa Vento Surf in Panama City
Eine kleine Oase inmitten von Betonriesen: Unser Hostel Villa Vento Surf in Panama City

Abends haben wir uns zur Feier der Ankunft in einem "freien Land" eine Pizza gegönnt, die auch stolze 9$ gekostet hat.


Den nächsten Tag haben wir dafür genutzt, Panama City etwas zu erkunden. Daniel, der Hostelbesitzer, war so freundlich, uns an diesem trägen Sonntag bis in die Altdstadt zu fahren, von wo aus wir entlang der Küste mit Blick auf die Skyline wieder zurück gelaufen sind.

Am Montag, 6.10., sind wir nach dem Frühstück mit unserem Privatshuttle ins nächste Hostel gefahren. Daniel, besagter Hostelbesitzer, hat uns nämlich am Vorabend erzählt, er fahre in sein anderes Hostel in der Nähe von Morrillo. Als er uns Bilder von dem abgelegenen Strand gezeigt hat, waren wir sofort Feuer und Flamme und haben kurzerhand beschlossen, mit dorthin zu fahren. Während der Fahrt hatten wir so sogar noch die Möglichkeit, in einem großen Supermarkt alles für die kommenden Tage einzukaufen – in dem Hostel war Selbstversorgung angesagt und außerdem auch keine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe.  

Schon bei der Ankunft waren wir sprachlos: Der Strand und das Hostel wirkten wie auf einer einsamen Insel. Nichts weit und breit, außer wir, Daniel, Alejandra (Hostelhilfe) und vier andere Deutsche Jonas, Levin, Fabian und Laura, mit denen wir uns auf Anhieb gut verstanden haben.


Die folgenden drei Tage ist nicht viel passiert: Einsame Strandspaziergänge, Entspannen in der Hängematte, Baden bei Regen, nächtliche Schildkrötensuche, erste Surfversuche und Filmnächte.

Am 9.10. hatten wir genug von Einsamkeit und Nichtstun und brachen auf in Richtung Santa Catalina. Außerdem ging uns der ständige Regen etwas auf die Nerven (man kann sagen, es gab seit unserer Abreise aus Panama City nur wenige Stunden ohne) und wir hofftem, endlich wieder etwas Sonne genießen zu können.

Da Levin (übrigens Koch, sehr praktisch ;)) auch nach Santa Catalina wollte, machten wir uns zu dritt auf die sechsstündige Reise mit zwei Umstiegen – für ungefähr 160km...  

Rucksäcke auf's Dach und ab geht die Fahrt über die Holperpisten!
Rucksäcke auf's Dach und ab geht die Fahrt über die Holperpisten!

Kaum sind wir an unserem Ziel aus dem Bus gestiegen, waren wir schon wieder nass vom Regen. Zum Glück fanden wir schnell eine Unterkunft und begaben uns auf eine Odyssee durch den kleinen Ort auf der Suche nach Internet. Levin musste nämlich mehr als dringend Geld auf sein eigenes Konto überweisen, da ihm nur noch wenige bare Dollar in der Tasche blieben. Aber obwohl Santa Catalina als DER Ort zum Surfen in Panama gilt und deswegen auch recht viele (Surf-)Touristen dorthin fahren, gibt es in so gut wie keinem Hostel/Hotel Internet und auch keinen Bankautomaten. Halb inoffiziell sind wir am Ende in einem bereits geschlossenen Restaurant gelandet, in dem es W-Lan gab. Allerdings mussten wir ständig aufpassen, dass der Besitzer nicht kommt. Zum Glück ging alles glatt, Levin konnte wenigstens seine Überweisung tätigen und wir mal wieder ein Lebenszeichen an euch senden.  

Die einzigen Minuten in Santa Catalina mit Sonnenschein schnell für ein Foto unserer dortigen Unterkunft genutzt
Die einzigen Minuten in Santa Catalina mit Sonnenschein schnell für ein Foto unserer dortigen Unterkunft genutzt

Geweckt wurden wir am nächsten Morgen wieder von den ans Fenster prasselnden Regentropfen. Den Vormittag über haben wir lesend abwechselnd in der Hängematte oder im Zimmer verbracht, aber irgendwann hat das einfach gereicht. Wir haben Rodrigo, den ansässigen Surflehrer nach einer Übungsstunde gefragt und standen auch keine Stunde später schon mit den Brettern am Strand. Zu Beginn mussten wir Trockenübungen machen, die uns eigentlich schon fast all unsere Kraft gekostet haben. Immer wieder hieß es: One, two, three, UP! Dabei mussten wir aus dem Liegen direkt auf die Beine springen, immer darauf achtend, dass der hintere Fuß quer zum Board steht und der vordere im 45°Winkel nach vorne zeigt. Nach ungefähr 20 Übungen hat Rodrigo uns endlich ins Wasser gelassen, wo wir die Theorie in die Praxis umsetzen sollten. SOLLTEN. Surfen sieht leichter aus als es ist. Das haben wir in der folgenden Stunde deutlich zu spüren bekommen. Schon nach kurzer Zeit wurden die Arme müde, die Knie rot und die Beine schwer vom ständigen Gegen-die-Wellen-Kämpfen. Allerdings teilen wir euch hiermit stolz mit: Wir standen beide tatsächlich auf den Surfbrettern!! Wackelig und verkrampft, aber wir standen!

So gerne wir euch ein paar Fotos zeigen würden, es gibt leider keine von unseren glorreichen Surfversuchen. Wir waren ja beide schwer beschäftigt ;)


Seit gestern, 11.10., sind wir in Boquete und hatten mal wieder Glück mit dem Transport hier her. In Santa Catalina haben wir drei Spanier kennengelernt, die mit dem Mietauto durch Panama reisen und uns mitgenommen haben, da sie auch nach Boquete wollten.

Jetzt lassen wir uns überraschen, was Boquete für uns bereit hält.  

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Kommentare: 8
  • #1

    Niklas (Sonntag, 24 August 2014 19:31)

    Ich würde mir ein Foto mit der Tigerente in Panama wünschen ;)

  • #2

    Alena (Sonntag, 24 August 2014 19:37)

    Na mal sehen, was sich da machen lässt ;)

  • #3

    Pansch (Montag, 13 Oktober 2014 02:27)

    Hab's Kristina schon gesagt:wenn ihr in Puerto Viejo seid geht ins Pagalu Hostel!!:) gute reise!

  • #4

    Niklas (Montag, 13 Oktober 2014 17:32)

    Oh wie schön, dass es euch gut geht ;)

  • #5

    Alica (Mittwoch, 15 Oktober 2014 10:48)

    Ihr Hühner, wie schön, dass es euch besser geht! Ich habe eure Einträge jetzt erst gelesen (mein Opa ist gestorben, da hatte ich keine Lust auf Reiseeinträge) und freue mich zu hören, dass ihr Kuba hinter euch lassen konntet. Habt noch ganz viel Spaß!!! Und passt mit der Sonne besser auf :-P

  • #6

    Mama (Donnerstag, 16 Oktober 2014 17:23)

    Ihr seid ja zur Wirbelsturm-Saison dort in Panama, also müsst ihr euer Wetter ganz positiv sehen: es könnte viel schlimmer sein!

  • #7

    Ute (Donnerstag, 23 Oktober 2014 15:10)

    Oh wie schön ist Panama.......und viel Spaß weiterhin.....

  • #8

    Carsten aus Leipzig (Mittwoch, 06 Mai 2015 08:29)

    Da war der Surfkurs anstrengender als Euer Fotokurs :-)