Inkas, Inkas, Inkas - haben wir Inkas schon erwähnt?

Den Dezember haben wir in Cusco begonnen, denn noch am Abend des 30.11. haben wir uns mal wieder von einem Nachtbus in die wohl touristischste Stadt Perus bringen lassen. Diesmal in extra breiten VIP-Sitzen, die aber nicht so spektakulär und bequem waren wie erwartet. Die „normale“ Klasse bei Cruz del Sur ist genauso gut oder fast besser, wenn man die Sitze 11 und 12 im oberen Stock des Busses mit extra viel Beinfreiheit bucht. Ja, ihr seht, wir werden langsam aber sicher zu Busfahrtsexperten!

VIP-Sitze bei Cruz del Sur
VIP-Sitze bei Cruz del Sur

Für Cusco haben wir uns mal wieder eine Gelegenheit zum Couchsurfen gesucht. Albert hieß unser Gastgeber diesmal und hat angeboten, uns um acht Uhr morgens vom Hauptplatz in Cusco abzuholen. Direkt um sechs Uhr zum Busbahnhof zu kommen, um uns dort zu empfangen, erschien uns allen etwas übertrieben. Wenn er uns immerhin schon freundlicherweise irgendwo abholt...

Alles hat auch so geklappt, wie es ausgemacht war. Doch dann kam der große Schock: Als wir vor seinem „Haus“ aus dem Taxi aussteigen und durch die Eingangstür des Innenhofs treten, traf uns der Schlag. Die Küche ist der Rede nicht wert (zwei Gasstellen unter offenem Himmel), das Bad ist aus Lehm gemauert, zwischen 10 Uhr morgens und 4 Uhr nachts gab es kein fließendes Wasser (ergo auch keine Klospülung), keine Tür für's Bad und das Zimmer, wo wir schlafen sollten, stank nach Tierstall und die Matratzen waren viel viel mehr als durchgelegen. Kurz: Ein großer Graus.

Trotzdem haben wir uns erstmal ausgeschlafen. Da die Betten unseres Zimmers noch mit anderen schlafenden Couchsurfern besetzt waren, hat uns Ramiro, Alberts Wohngenosse, in seinem Zimmer schlafen lassen, das noch mit am aushaltbarsten war. Sobald wir einigermaßen fit waren, überkam uns der Hunger und wir wurden von Ramiro zu einem nahen Markt gebracht, wo wir für umgerechnet 1,10€ eine Nudelsuppe und einen vollen Teller Reis mit Linsen und Spiegelei gegessen haben.  

Auf dem Markt der Einheimischen gab's sehr leckeres Essen!
Auf dem Markt der Einheimischen gab's sehr leckeres Essen!

Albert, der eigentliche Gastgeber, war die ganze Zeit irgendwo anders unterwegs. Nach der leckeren Stärkung wollten wir so schnell wie möglich ein Hostel finden, in dem wir die nächsten Tage ohne Gänsehaut und vor allem erholsam schlafen konnten. Mehr als eine Anstandsnacht bei Albert und Ramiro war nun wirklich nicht drin! Schon gar nicht direkt vor dem Inka Trail, für den wir gerne so viel Kraft wie möglich haben wollten... Zum Glück wurden wir fündig und reservierten auch gleich für ab dem nächsten Tag. Jetzt hieß es nur noch Augen zu und durch für diese Nacht... Immerhin hatten wir von dort oben, wo sich dieses Etwas an Unterkunft befand, einen super Blick auf Cusco bei Nacht. Das ist dann aber auch wirklich schon alles, was man positives darüber erwähnen kann.

Langsam wird's Nacht in Cusco...
Langsam wird's Nacht in Cusco...

Klar, v.a. Ramiro war wirklich gastfreundlich und bemüht, aber wir konnten es trotzdem nicht abwarten, am nächsten Morgen so schnell wie möglich unsere Rucksäcke aufzusetzen und dieses Loch zu verlassen. Fremde Kulturen hautnah erleben hin oder her, das dort ging einfach nicht. Wenn Leute wie Ramiro und Albert zufrieden in ihrem Verhau leben, gerne. Aber irgendwo gibt es selbst auf so einer Reise wie der unseren Grenzen, die wir nicht unterschreiten wollen. Und bei Verhältnissen wie diesen, wo wir nicht einmal die Möglichkeit hatten, nachts auf's Klo zu gehen, ohne eine halsbrecherische Erdtreppe im völligen Dunkel hinunterzufallen, weil das sogenannte Bad ja im tieferliegenden Innenhof lag, war eindeutig die Grenze erreicht. Mit einem sehr günstigem, aber wirklich üppigen Frühstück (Champignon-/Käse-Omelette, Brot mit Butter und Marmelade, frischer O-Saft und Kaffee/Tee gesamt nur 3,40€ - hach, was für Preise!) in einem kleinen Café starteten wir den neuen Tag, der hoffentlich Besseres bringen würde als der vorige.

Nach einer warmen Dusche im Intro Hostel, der neuen Unterkunft, und endlich frischen Klamotten fühlten wir uns wieder in unserer „normalen“ Welt angekommen.  

Unser schönes Hostel in Cusco
Unser schönes Hostel in Cusco

 Obwohl wir ja wissen, dass es sich eigentlich nicht lohnt, selbst zu kochen, hat es und mal wieder auf eigene Nudeln mit Gorgonzola-Tomaten-Sauce gelustet, was wir dann auch tatsächlich gekocht haben. Entweder lag es am Essen oder an der Höhe oder an einer verspäteten Stress-Reaktion auf das Couchsurfen oder an etwas ganz anderem – wir hatten jedenfalls schon wieder beide am nächsten Tag Durchfall. Und da hat es einfach gereicht! Nach knapp drei Wochen On-Off-Beziehung mit diesem Übel wollten wir Klarheit. Was war das, was uns da immer wieder heimsuchte? Durch Zufall haben wir im Internet eine deutsche Ärztin in Cusco ausfindig gemacht, die uns auch direkt zwei Stunden später empfangen hat. Nach einer Untersuchung inklusive Blut- und Stuhlprobe dann das ernüchternde Ergebnis: Offiziell hatten weder Kristina noch Alena NICHTS! Beide Ergebnisse aus dem Labor waren negativ. Auf der einen Seite hieß das natürlich, dass wir uns nichts schwerwiegendes zugezogen haben konnten, auf der anderen Seite hatten wir natürlich irgendetwas, sonst wären wir ja nicht ins Krankenhaus gefahren. Sich nochmal die genauen Symptome anhörend, hat uns die Ärztin schließlich etwas gegen Parasiten verschrieben. Die würde man auch oft erst nach drei oder mehr Proben feststellen können, meinte sie. Puh, Parasiten, mit was man nicht alles auf so einer Reise zu tun bekommt... Igitt. Aber wir hatten das Gefühl, das Mittel half und waren beruhigt für den Inka Trail.

Die verbleibenden zwei Tage bis dahin besuchten u.a. wir einen süßen kleinen Markt in Pisac, einem Örtchen eine Stunde von Cusco entfernt. Weil die Preise einfach so günstig sind und die Sachen so schön, haben wir uns mit Schal und Handschuhen eingedeckt, was wir in den kalten Nächten auch beides immer sehr gut gebrauchen konnten.


Außerdem haben wir Schlafsäcke und Wanderstöcke für den Inkatrail organisiert und uns zur Vorinformation mit unserer Inka-Trail-Führerin Juana getroffen. Auf den ersten Blick eine seltsame Person. Und der Eindruck sollte sich auf dem Weg zum Machu Picchu dann auch tatsächlich bestätigen...

An unserem letzten Tag in Cusco haben wir uns noch einmal einer Free Walking Tour angeschlossen, obwohl wir ja eigentlich schon an allen wichtigen Orten der Stadt waren. Aber was sonst tun an einem freien Tag, an dem wir sowieso nichts zu tun hatten?  

An Nikolaus, 6.12., war es dann so weit: Um sieben Uhr morgens kam Juana uns abholen und wir lernten auch gleich unsere Weggefährten der nächsten Tage kennen: Das frisch vermählte Ehepaar Damian (Pole) und Miriam (Australierin), Pablo und Gabriel (Vater und Sohn aus Argentinien) und Shingo (Japaner). Anfänglich waren wir alle etwas zaghaft im Umgang miteinander, aber im Laufe der Tage tauten wir auf. Nur Juana, die uns ja schon vorher nicht so geheuer war, blieb komisch. Warum? Weiterlesen ;-)

Nach der Ankunft am berühmten Km 82 des Inka-Trails (von dort starten fast alle Wandertouren zum Machu Picchu), wo wir noch unsere Schlafmatten bekamen, ging es um viertel 12 los. Uiuiui! Jetzt würde sich also endlich zeigen, ob uns das Colca-Trekking tatsächlich abgehärtet hat .Juana vereinte alle Gruppenmitglieder um sich und erklärte feierlich, wir wären jetzt für die nächsten vier Tage eine Familie. Na dann los Familie, auf zum Machu Picchu!

Bereit, den Machu Picchu zu erobern
Bereit, den Machu Picchu zu erobern

Schon in den ersten Stunden zeigte sich, wer eher von der schnelleren Sorte und wer langsamer war. Kristina gehörte an dem Tag zu den langsameren, doch statt an Abzweigungen zu warten, schürte Juana vor und Alena wartete an den Kreuzungen auf Krissi und Shingdo, um ihnen den Weg zu sagen, den Juana vorgerannt war. Irgendwann war das Spielchen allerdings nicht mehr lustig und Alena rief Juana zu, doch besser auch mal auf die langsameren der Gruppe zu warten. Daraufhin blähte sich Juana auf, was Alena denn einfalle, so über den Weg nach ihr zu schreien und dass sie sehr wohl wisse, wann Pausen angemessen wären und wann nicht. Sie mache das ja schon seit sieben Jahren so. Ahja, Juana spielte also gerne die Drachenmutter in ihren „Familien“...

Im nächsten Moment setzte sie aber wieder ein Lächeln auf und bat alle zum Abendessen, da wir mittlerweile im Camp angekommen waren, in dem wir die Nacht über bleiben würden. Die ersten 9km waren also schon geschafft. Unsere erste Nacht im Zelt war so unbequem, wie schon befürchtet. Der Schlafsack war zu eng, das Zelt zu kurz zum Ausstrecken und die Schlafmatte hatte so viel Effekt wie ein Wattepad als Matratze für einen Elefanten.

Wir können an dieser Stelle schon sagen, dass das Essen während der vier Tage wirklich lecker war dafür, dass nur begrenzte Kochmöglichkeiten zur Verfügungen standen. Unsere Träger mussten ja nicht nur alles an Lebensmitteln, Kochuntensilien und Zeltequipment den ganzen Weg hinter uns her tragen (wobei sie ehrlich gesagt trotz 20kg Last immer fast doppelt so schnell am nächsten Übernachtungspunkt waren wie wir, unfassbar!), sondern auch noch alle Zelte immer wieder auf- und abbauen und außerdem kochen und abspülen. Eine unglaublich harte Arbeit. Und dann wurden sie von Juana auch noch behandelt wie Bedienstete. Diese blöde Kuh...

Trotz dieser sehr dürftigen Kochstelle...
Trotz dieser sehr dürftigen Kochstelle...
...hatten wir immer ein leckeres Essen auf dem Tisch!
...hatten wir immer ein leckeres Essen auf dem Tisch!

Als würden sie nichts als Luft tragen: Die Träger des Inka-Trails leisten unglaubliche Arbeit
Als würden sie nichts als Luft tragen: Die Träger des Inka-Trails leisten unglaubliche Arbeit

Der nächste Tag sollte laut den Touranbietern der anstrengendste werden, denn uns erwarteten über 10km Weg. Immer schön bergauf und schließlich über einen Pass mit 4200m Höhe, angesetzt waren sieben Stunden Marsch. Obwohl sich das viel anhörte, waren wir erstaunt, dass wir uns bei Erreichen des Passes noch so gut fühlten (Kristina hatte übrigens nach ihrem ersten langsamen Tag einen Gang zugelegt und war ab dem zweiten Tag immer vorne mit dabei). Klar, wir haben viele Pausen eingelegt und sind auch wirklich langsam gelaufen, aber das war alles nur halb so wild wie im Colca Canyon! Was für eine Erleichterung! Während des Weges tat Juana auf beste Freundin, lehnte sich beim Rasten auf einer Bank an Alenas Schulter, verteilte großzügig Salzstangen und machte Späße – manoman, was für ein sprunghafter Geist.

Nach einem zweistündigen Abstieg kamen wir um zwei Uhr mittags schon in unserem Camp an, wo es das lang ersehnte Mittagessen gab. Danach legten sich alle in ihre Zelte und schliefen bis zum Abendessen fünf Stunden später wie die Murmeltiere.

Damian und Miriam entwickelten sich im Laufe der Tage zu unseren „Lieblingsfamilien-mitgliedern“, Shingo war auch cool, nur die Argentinier waren irgendwie außen vor. Ein bisschen schade, aber mit den einen kommt man eben besser klar, mit den anderen weniger. Wie in einer echten Familie ja auch. Die bekam übrigens am zweiten Morgen Zuwachs von Carlos und Katherinn aus Kolumbien, die sich die Strecke unserer ersten beiden Tage an einem einzigen vorgenommen hatten. Ab jetzt waren wir also zu neunt in der Gruppe.

Geschafft! Den Dead Woman's Pass haben wir als lebende Frauen überstanden ;-)
Geschafft! Den Dead Woman's Pass haben wir als lebende Frauen überstanden ;-)

Nach der nächsten ungemütlichen Nacht, in der es zudem auch noch geregnet hatte, wartete am dritten Tag der letzte lange Marsch auf uns. 17 km, nasser Boden, bergab. Moment, bergab? Das hatten wir doch auch schon einmal. Colca ließ erneut grüßen! Unser Fazit nach diesem Wegabschnitt: Lieber einen Tag hinauf laufen als einen halben hinunter. Allerdings gab es zwischendrin auch Abschnitte, die ganz fuß- und beinfreundlich einfach geradeaus gingen und wo wir auch endlich mal die Landschaft genießen konnten. Außerdem lagen auf diesem Teil des Weges sehr viele Inka-Stätten, die wir besichtigt haben.

Die "Familie" mit uns, Damian, Miriam und Shingo
Die "Familie" mit uns, Damian, Miriam und Shingo

Kurz vor Ankunft im letzten Camp des Inka-Trails kam in der Gruppe das Thema des Rücktransports auf. Auf einer von Juanas Listen war vermerkt, dass die Argentinier keinen Zug zurück ins Tal in ihrer Tour inklusive hatten (wir hatten alle bei verschiedenen Anbietern gebucht, die sich einen Stamm an Guides zu teilen scheinen). Also hat Alena aus reinem Interesse an ihren Reiseplänen gefragt, ob sie denn noch eine Nacht länger in der Stadt Aguas Calientes bleiben würden, statt zurück nach Cusco zu fahren. Wäre ja mal was anderes, oder nicht? Aber sie verneinten und meinten nur, dass Juana alles für sie geregelt hätte und sie schon mit nach Cusco fahren würden. Ahja, Thema abgehakt. Aber kaum waren wir im Camp angekommen, wo Juana schon wartete, fragte Pablo natürlich, was es auf sich hatte mit dem Ticket. Daraufhin wurde Alena von Juana zur Seite genommen und angegiftet, was ihr denn einfalle, Probleme in der Gruppe zu verursachen und absichtlich eine schlechte Stimmung zu verbreiten! Wie bitte?! Diese komplett falsche Anschuldigung hat Alena nicht auf sich sitzen lassen, woraufhin eine heftige Diskussion entbrannt ist. Ohne bei dem Gespräch dabei gewesen zu sein; hat Juana Dinge behauptet, die absolut nicht stimmten und immer wieder versucht, ihr Recht einzufordern. Außerdem ist sie auf andere Themen ausgewichen und hat sogar fast wörtlich gesagt, dass wir (Kristina und Alena) untereinander nicht über gewisse Dinge wie den Preis der Tour zu sprechen hätten. Die hat doch mehr als einen an der Klatsche!! Wer ist sie denn, dass sie uns ernsthaft verbieten will, über was wir reden??

Bei der alltäglichen Verkündung des Tagesplans für den nächsten Tag nach dem Abendessen hat sie dann noch einmal demonstrativ betont, dass für jeden der Tourteilnehmer Bus und Zug inklusive wären - nur um keine halbe Stunde später am Zelt der Argentinier vorbeizugehen und zu fragen, ob diese denn jetzt die Sache mit dem Zug organisiert hätten. Miese, falsche Schlange! Spätestens zu diesem Zeitpunkt war Juana bei uns sowas von untendurch, da half auch kein scheinheiliges Lächeln mehr. Warum sie übrigens wollte, dass alle denken, ihre Touren beinhalten exakt das Gleiche, ist uns bis jetzt ein Rätsel. Macht doch nichts, wenn der eine mehr zahlt und dafür auch mehr kriegt...?

Ein kurzer, selbstständiger Abstecher zur nahe gelegenen Inkaruine Wiñaywayna ohne den Rest der Gruppe und Juana half, das Gemüt wieder zu beruhigen, bevor wir schnell alle in unsere Zelte flüchteten, denn es begann zu regnen.

Der letzte Tag unseres Inkatrails begann schon um drei Uhr morgens. Weder die Uhrzeit noch das Wetter (es regnete immer noch) luden jedoch zum Aufstehen ein, doch da die Träger aus unerfindlichen Gründen den ersten Zug des Tages ins Tal erwischen mussten und dieser um 5 Uhr abfuhr, musste alles so schnell wie möglich abgebaut werden, eben auch unsere Zelte. Ein Frühstück bekamen wir aber noch, doch danach war warten angesagt. Der ganze Wirbel darum, Machu Picchu bei Sonnenaufgang zu erreichen, ist schlichtweg von den Touragenturen erfunden, denn der seit 15 Jahren bestehende Kontrollposten, den jeder passieren muss, der über den klassischen Inkaweg zum Machu Picchu laufen will, öffnet schon immer erst um fünf Uhr. Da man von dort noch mindestens eineinhalb Stunden bis zur heiligen Inkastätte läuft, ist ein Sonnenaufgangserlebnis unmöglich.

Glücklicherweise hat es ab vier Uhr aufgehört zu regnen und wir konnten die letzten Kilometer bis zur Puerta del Sol, dem offiziellen Eingang der Inka zum Machu Picchu, im Trockenen zurück legen. Die noch nicht ganz verzogenen Nebelschwaden machten den Anblick auf unser Ziel umso mystischer.


Jetzt nur noch eine halbe Stunde weiterlaufen und dann hatten wir es endlich geschafft: Machu Picchu lag in seiner vollen Pracht vor uns, sogar die Sonne tat uns den Gefallen und kam genau zur richtigen Zeit vor den restlichen Wolken hervor.

Wie schon erwartet, waren trotz der frühen Uhrzeit schon ziemlich viele Touristen auf dem Gelände unterwegs und haben mit ihrem wuseligen Treiben ein bisschen die angemessene Ruhe zerstört, die wir uns nach so einer langen Wanderung zum Genießen des erreichten Ziels gewünscht hätten.

Als wäre mit dem Erreichen von Machu Picchu auch jegliche Motivation uns zu bewegen verschwunden, konnten wir bei der (sehr oberflächlichen) Führung von Juana durch die Anlage kaum mehr einen Fuß vor den anderen setzen. Wir wollten einfach nur noch sitzen, essen und nichts tun. Deshalb haben wir im Gegensatz zu den anderen sieben Gruppenmitgliedern nach der knapp zweistündigen Führung auch keine Minute länger mehr auf dem Gelände verbracht, sondern uns gleich in den Bus ins Tal nach Aguas Calientes gesetzt.

Als wir dort ankamen, war es mittlerweile zwölf Uhr mittags und unser Frühstück lag schon neun Stunden zurück! Deshalb sind wir in eines der ersten Restaurants geschlurft, das uns auffiel und haben uns jede ein Alpaca-Steak gegönnt, Gemüsecrèmesuppe als Vorspeise inklusive. Für umgerechnet etwa 7€ kann man das schon mal machen :-)

Die restliche Zeit bis zur Abfahrt des Zuges um halb 7 nach Ollantaytambo (von wo aus wir mit dem Bus zurück nach Cusco gebracht wurden) haben wir mit einem trägen Stadtbummel, einem kurzen Nickerchen auf einer Bank und Kaffeetrinken vertrieben. Fix und fertig kamen wir um halb 11 abends in Cusco in unserem Hostel mit den nun noch bequemer wirkenden Matratzen an und waren sogar zu müde, um nach vier Tagen endlich noch zu duschen.


Wie es sich für den Tag nach dem Inka-Trail gehört, haben wir uns nach dem Ausschlafen erst einmal gründlich gewaschen und uns eine einstündige Ganzkörpermassage gegönnt (warum kann das nicht auch in Deutschland ca. 8€ kosten??). Dabei haben wir witzigerweise Damian und Miriam aus unserer Inka-Trail-Gruppe getroffen, die sich direkt vor uns im gleichen Lokal haben massieren lassen. Wir haben uns spontan auf einen Kaffee mit den beiden verabredet und extravagante heiße Schokolade zum Selbstanrühren getrunken (Milch, geschmolzene Schokolade in einem Schälchen und Zimtstangen). Danach gab's noch das für Peru obligatorische Meerschweinchen, das hier an Sonn- und/oder Festtagen aufgetischt wird.  

Zum Glück fehlte unserer Meerschweinchenhälfte der Kopf. Ansonsten wäre es noch unappetitlicher gewesen als es sowieso schon war.
Zum Glück fehlte unserer Meerschweinchenhälfte der Kopf. Ansonsten wäre es noch unappetitlicher gewesen als es sowieso schon war.

Wir waren allerdings froh, gemeinsam nur ein halbes zum Probieren bestellt zu haben, denn es hat erstens recht fischig geschmeckt, wo es doch eigentlich Fleisch war, zweitens hatte die Haut des Meerschweinchens eine Konsistenz wie Leder und drittens war insgesamt kaum Fleisch dran (war aber ja dann doch nicht so schlimm, weil es eh nicht geschmeckt hat). Unser Fazit: Einmal Meerschweinchen im Leben reicht!


Nach diesem entspannten Tag setzten wir uns zum letzten Mal in einen der so komfortablen Busse von Cruz del Sur und fuhren über Nacht zur letzten Station in Peru, nach Puno am Titicacasee. Um keine Zeit zu verlieren (bis Weihnachten wollten wir in Argentinien sein!), haben wir direkt für den Morgen der Ankunft eine zweitägige Tour zu den schwimmenden Inseln der Uros und zwei anderen, festen Inseln im See gestartet.

Die Menschen leben tatsächlich die meiste Zeit des Jahres auf ihrem Inselchen. Doch weil auch an ihnen die Zeit nicht spurlos vorbei geht und sie sich Luxusgüter wie Fernseher, moderne Kleidung und Handys kaufen wollen, arbeiten sie ein paar Monate in peruanischen Großstädten. Allein vom Fischfang und dem Verkauf von Kunsthandwerk lassen sich nämlich keine ganzen Familien mehr ernähren...

Nach einer sehr wellenreichen Überfahrt auf die feste Insel Amantaní, haben wir unsere Gastmutter Juana kennengelernt, in dessen Haus wir übernachtet haben. Sie hat lecker für uns gekocht und uns ein wenig aus ihrem Leben auf der Insel inmitten des Titicacasees erzählt, die sie trotz ihrer 46 Jahre noch nie in ihrem Leben verlassen hat und wahrscheinlich auch nie wird, da sie selbst bei den heftigen Zahnschmerzen, die sie schon lange plagen, nicht die nötigen finanziellen Mittel für eine Überfahrt auf's Festland auftreiben kann...  

Abends gab es für uns Touristen eine Feier im Gemeindesaal, zu der typisch peruanische Musik gespielt wurde und wir als kleines Extra die traditionelle Kleidung der Inselbewohner tragen durften. Alena musste die Feier jedoch mit anderen Teilnehmern der Tour statt mit Kristina genießen, denn die lag mit Bauch- und Kopfschmerzen völlig kaputt im Bett.


Nach dem Frühstück mit einem sehr leckeren Teig (wie Langos) statt Brot wurden zur nächsten Insel, Taquile, gefahren. Da diese aber sehr Amantaní glich, war dieser Teil der Tour nicht mehr so interessant und wir waren froh, um 12 Uhr schon den Rückweg nach Puno anzutreten. So hatten wir den restlichen Nachmittag noch Zeit, in unserem zufällig gefundenen Hostel im privaten Zweierzimmer mit Panoramafenster zu entspannen und etwas essen zu gehen. Gott sei Dank hatten wir eine wirklich erholsame Nacht, denn der nächste Tag – die Fahrt nach Bolivien - sollte anstrengend genug werden.

Abschied von Juana, unserer "Mama für eine Nacht"
Abschied von Juana, unserer "Mama für eine Nacht"
Kommentare: 3
  • #3

    Alica (Montag, 29 Dezember 2014 21:01)

    Hübsche Fotos ihr Süßen :-*

  • #2

    Tante Ute (Samstag, 27 Dezember 2014 18:12)

    ...immer wieder schön von euren Abenteuern zu lesen.....

  • #1

    Mama von Alena (Freitag, 26 Dezember 2014 20:06)

    Was für eine wunderschöne Landschaft !