Bis an die Grenzen gehen

Stundenlang fuhren wir durch eine Mondland-schaft und fragten uns schon, wo denn da eine Stadt sein soll..
Stundenlang fuhren wir durch eine Mondland-schaft und fragten uns schon, wo denn da eine Stadt sein soll..

Am 26.11. kamen wir nach einer Nachtbusfahrt mit unserem geliebten Cruz del Sur um 10 Uhr in Arequipa an. Schon bei den ersten selbstständigen Erkundungen hat uns die Stadt wirklich gut gefallen. Weil wir in unserem Hostel den Tipp bekommen hatten, uns doch um drei Uhr nachmittags einer kostenlosen Stadtführung anzuschließen, haben wir die Zeit bis dahin genutzt, einen leckeren Cappuccino zu trinken und dabei die Sonne zu genießen, die deutlich kräftiger schien, als wir angenommen hatten (von 


wegen Arequipa ist kühl...). Die Walking Tour stellte sich als tatsächlich sehr informativ heraus, unsere Führerin, eine junge Geschichtsstudentin, hat alles wirklich anschaulich erklärt. Ab und zu hat sie allerdings etwas weit ausgeholt und so hat die Tour statt geplanten zwei fast drei Stunden gedauert.  

Dabei ist schon die Sonne untergegangen, was auf der einen Seite einen sagenhaften Anblick bat mit den Vulkanen im Hintergrund der Stadt, auf der anderen Seite haben wir dann doch die Kälte Arequipas zu spüren bekommen. Nachts wird es nämlich wie schon in Ica und Nasca auch in Arequipa eisig kalt. 

Traumhafte Kulisse hinter Arequipa
Traumhafte Kulisse hinter Arequipa

Nach all dem Reis und Hühnchen der letzten Tage hatten wir so Lust auf ein bisschen frisches Gemüse, sodass wir kurzerhand im Supermarkt die Zutaten für einen üppigen Salat eingekauft haben. Allerdings haben wir einmal mehr feststellen müssen, dass sich selbstgemachte Gerichte (und wenn es auch nur Salat ist) preislich einfach nicht mit den Menüs messen lassen, die man überall in kleinen Lokalen entlang den Straßen bekommt. Für den Preis der Salatzutaten hätten wir nämlich auch jede jeweils eine Suppe UND ein Hauptgericht bekommen. Tja, wer hätte gedacht, dass Selberkochen auf dieser Reise mal ein Luxus werden würde?  

Auf Luxus mussten wir in den nächstfolgenden Tagen generell komplett verzichten. Wir hatten uns nämlich als Vorbereitung auf den Inka Trail eine zweitägige Trekking-Tour durch einen der tiefsten Canyons der Welt herausgesucht, den Colca Canyon. Dafür wurden wir um 4 morgens im Hostel abgeholt (ausgemacht war 3 Uhr und so saßen wir unnötig eine Stunde herum, sehr ärgerlich!). Nach drei Stunden Fahrt haben wir mit der gesamten Gruppe gefrühstückt. Bevor der eigentliche Trekk losging, sind wir noch zum Aussichtspunkt "Cruz del Condor" gefahren, wo es tatsächlich Kondore zu sehen gab. Schließlich sind wir um 10 Uhr am Startpunkt angekommen und von dort losgelaufen.  

Km 0. Zu laufen: noch 18,15km. Na dann mal los!
Km 0. Zu laufen: noch 18,15km. Na dann mal los!

Unser Guide, David, hat uns und eine Australierin namens Dani schon vorgeschickt, da die vier etwas älteren Peruaner unserer Gruppe deutlich langsamer waren als wir. „Wir treffen uns dann unten am Fluss“ waren seine Worte. „Unten am Fluss“ waren wir nach etwas mehr als drei Stunden, mit schmerzenden Knien und wunden Zehen vom ständigen sehr steilen Abwärtsgehen. Kein Wunder, vom Startpunkt bis zum Flussbett waren es auch über 1000m Höhenunterschied. David kam kurze Zeit später nach und antwortete auf unsere verdutzen Gesichter, die Peruaner nicht zu sehen, dass diese den Weg nicht schafften und jetzt auf Maulesel warteten. Hehe, da hat wohl jemand den Begriff Trekken nicht ganz richtig verstanden. Allerdings war der Weg auch wirklich anstrengend. Nach einem leckeren Mittagessen (Alpacafleisch mit Zwiebeln und Kartoffeln) ging es nämlich nochmals knapp vier Stunden bis zum Übernachtungscamp – und zwar wieder hauptsächlich bergab. Als wir kurz vor Sonnenuntergang endlich ankamen, waren wir fix und fertig, die Füße taten so weh und wir wollten nur noch schlafen. Leider hat das Abendessen noch lange gedauert und wir konnten „erst“ um neun ins Bett. Das war angesichts der Tatsachen, dass wir erstens die Nacht vorher kaum geschlafen hatten und zweitens am nächsten Morgen um halb fünf loslaufen sollten, schon sehr spät.

Dani und wir probieren die peruanische Nationalfrucht Lúcuma (auf Danis Hand). Schmeckt... interessant ;-)
Dani und wir probieren die peruanische Nationalfrucht Lúcuma (auf Danis Hand). Schmeckt... interessant ;-)

Als wirklicher Kampf stellte sich dann der zweite Tag heraus. Gesagt zu bekommen, drei Stunden einen Berg hinauf laufen zu müssen, ist die eine Sache. Tatsächlich stundenlang einen Fuß vor den anderen zu setzen, um 1137 Höhenmeter zu überwinden, obwohl der ganze Körper müde ist, ist die andere. Nur mit eisernem Willen und jede in eigenem Tempo haben wir diese Strecke geschafft. Dass dieser Treck so hart werden würde, darauf waren wir wirklich nicht eingestellt. So etwas hatten wir eher vom Inka Trail erwartet. Oh je, der Weg zum Machu Picchu konnte ja dann was werden, wenn wir schon bei zwei Tagen Colca Canyon fast schlapp machten... Trotzdem hatte der Aufstieg auch etwas schönes. Wir haben einen Sonnenaufgang in einem Canyon miterlebt, so etwas gibt es nicht alle Tage, und uns selbst bewiesen, dass wir mit dem gewissen Biss auch den Inka Trail packen können.

Yeah! Endlich oben angekommen! (Mit uns freuen sich die, die wir am Abend zuvor im Camp kennengelernt haben)
Yeah! Endlich oben angekommen! (Mit uns freuen sich die, die wir am Abend zuvor im Camp kennengelernt haben)

Um halb neun bekamen wir endlich unser heißersehntes Frühstück, das nach diesem Aufstieg gleich doppelt so gut schmeckte wie sonst.

Keiner der Tourteilnehmer hatte nach dieser frühmorgendlichen Anstrengung mehr große Lust auf die restlichen Programmpunkte des Tages. Zwar war das Laufen nun abgehakt, aber die Besichtigung von Terrassen aus Inka-Zeiten oder eine Fahrt auf eine Ausichtsplattform, um ein paar sehr weit entfernte Vulkane zu sehen, waren wirklich nicht sehr erstrebenswert. Trotzdem, da mussten wir jetzt auch noch durch. Und hey, immerhin war keine von uns je schon einmal höher als 4900m, die Höhe des Vulkanaussichtspunktes.  



Trotzdem waren wir froh als wir abends endlich in Arequipa ankamen. Leider wurden wir nicht direkt vor dem Hostel abgesetzt, sondern an der zentralen Plaza de Armas. Im Grunde waren es nur zehn Minuten Fußweg bis zum Hostel von dort, doch wenn einem jeder Schritt und, noch schlimmer, jede Gehsteigstufe höllisch in den Beinen brennt, ist selbst so eine kurze Strecke wie Folter. Deshalb dürfte es euch auch nicht wundern, dass wir uns an dem Abend die bequemste Art der Essensbeschaffung ausgesucht haben: Pizza vom Lieferservice! Dani, die Australierin, die im gleichen Hostel wohnte wie wir, hat sich gerne angeschlossen und so haben wir zu dritt bei einer leckeren Pizza dieses Abenteuer ausklingen lassen.

Den nächsten Tag haben wir ganz ruhig angehen lassen, noch ein paar letzte Dinge besorgt, die uns vorher bei unseren Stadtbummeln ins Auge gefallen sind und den aktuellen Teil der Tribute von Panem im Kino angeschaut. Fast wie ein normaler Sonntag in Deutschland, nur eben auf peruanisch :-)


Kommentare: 1
  • #1

    Papa (Samstag, 10 Januar 2015 11:26)

    ich bin einfach sprachlos und in Gedanken geh ich (fast) jeden Meter mit