Zwei Prinzessinnen in Guayaquil

Das wunderschöne Panama hinter uns lassend (und damit auch Zentralamerika), setzen wir jetzt unsere Reise in Südamerika fort. Genauer sind wir nach Guayaquil in Ecuador geflogen, ein Zwischenstopp, bevor es nach zwei Tagen weiter auf die Galapagos-Inseln ging.

Für Guayaquil hatten wir uns schon von Panama aus um eine recht vielversprechend, weil sehr komfortabel, fast nobel klingende Unterkunft via Couchsurfing gekümmert. Am Flughafen angekommen und Javier, unseren Gastgeber, in der Ankunftshalle identifiziert, erwartete uns die erste Überraschung: Statt in ein normales Taxi oder einen Bus zu steigen, wie wir es sonst gewohnt waren, stand ein auf Hochglanz polierter Jeep mit eigenem Chauffeur bereit, der uns zu Javiers Appartement bringen sollte. Javier selbst bevorzugte sein neu gekauftes Motorrad. Wir fuhren ca. 20 Minuten auf eine kleine Halbinsel namens Samborondón, die von beiden Seiten von den Flüssen Daule und Babahayo umgeben ist und als das Reichenviertel von Guayaquil gilt.

Die Sicherheitskontrollen am Eingang des Wohnkomplexes erfolgreich passiert, wurden wir mit dem Aufzug aus der Tiefgarage direkt in den 5. Stock gefahren. Als Javier die Tür öffnete,trauten wir unseren Augen kaum. Nach sechs Wochen Mehrbettzimmer in Hostels und primitiven Holzhütten war das, was sich uns da bot, wie der siebte Himmel.


Ein eigenes Zimmer für jede von uns, natürlich jeweils mit angeschlossenem Badezimmer, ein Balkon mit phänomenaler Panoramaaussicht über ganz Guayaquil und ein Pool unten im Garten. Nachdem uns Javier dann auch noch Sekt, Bier, Erdbeeren, Pfefferkäse und Serranoschinken (Anmerkung: Käse und gute Wurst sind in Ecuador wie auch in Panama schon sündhaft teuer) anbot, waren wir endgültig sprachlos. Diese Eindrücke mussten wir erst einmal verdauen und machten es uns auf dem Balkon mit Sekt und Bier gemütlich, während wir Pläne für den weiteren Abend schmiedeten. 


Gegen 22 Uhr machten wir uns mit Javier auf zur ersten Bar, nahe seiner Wohnung (müssen wir erwähnen, dass wir den ganze Nacht immer den Service des Chauffeurs in Anspruch nehmen durften?). Javier traf dort bekannte Gesichter und wir gesellten uns zu der Runde aus Ecuadorianern an den Tisch und tranken einen Cocktail, der natürlich auf die Rechnung des Gastgebers ging. Anschließend zogen wir weiter, diesmal ins Stadtzentrum von Guayaquil, in eine recht urige und gemütliche Bar mit Livemusik von einem argentinischen Künstler.

Bei ein paar Bier ließen wir die Seele baumeln und haben die Stimmung genossen, bevor wir zur letzten Bar des Abends (mittlerweile schon 2 Uhr) weiter fuhren. Dort kamen wir endlich mal in den Genuss von auch für europäische Ohren tanzbarer Musik, nachdem es sonst überall eigentlich so gut wie nur südamerikanischen Reaggeton, Merengue, Bachata und was sonst noch alles gibt. Gegen 3 Uhr entschieden wir, nach Hause zu fahren, da Javier für den nächsten Tag eine Sightseeingtour organisiert hatte. Die sollte jedoch schon um 10 Uhr losgehen... Also hieß es schnell ab ins Bett und schlafen, bevor am nächsten Morgen nach nur wenigen Stunden Schlaf der schrille Klang des Weckers ertönte.

Ein bisschen verkatert und müde krochen wir aus den Betten und fuhren in die Stadt zum Treffpunkt mit der befreundeten Fremdenführerin Irma, die ihre Sache wirklich sehr gut gemacht hat. Bei für die Jahreszeit ungewöhnlicher Hitze waren wir den ganzen Vormittag in der Altstadt von Guayaquil unterwegs und lauschten Irmas professionellen Erklärungen zur Geschichte der Stadt.

Nachmittags hat Javier ein bisschen Hunger bekommen und seinen Chauffeur angewiesen, zu einem bestimmten Restaurant für einen kleinen Snack zu fahren. Schon als wir ankamen, hat uns einer der Kellner die Autotür aufgehalten... Beim Blick auf die Speisekarte des auf Meeresfrüchte spezialisierten Restaurants konnte sich Alena bei ihrer Antwort auf Javiers Frage, was wir denn essen würden, nicht mehr zurück halten und antwortete wahrheitsgemäß, dass sie sich keines der Gerichte leisten, sondern höchstens etwas zu trinken bestellen kann. Javier nahm das als Steilvorlage und bat für ein letztes Mal regelrecht um die Erlaubnis, uns einladen zu dürfen (wir hatten ihn schon darauf aufmerksam gemacht, dass das nicht das Prinzip des Couchsurfens sei, dass man seine Gäste ständig einlädt). Na guuuut, was hätten wir denn sagen sollen? ;) So kamen nach einer kurzen Wartezeit drei Platten mit den leckersten Sachen: Garnelen- und Tintenfisch-Ceviche, Fischeintopf, Austern, frittierte Krebse, Bolones (ecuadorianische Maisbällchen mit Käsefüllung), süßes Tamal und und und. Das war nicht nur einer der leckersten Nachmittagssnacks, sondern auch einer der teuersten unseres Lebens. Javier hat ja nicht nur uns, sondern auch Irma, die Fremdenführerin, eingeladen und dafür nach unseren Rechnungen mindestens 150$ gezahlt. 

Mit gefüllten Mägen haben wir den restlichen Nachmittag am Pool verbracht, wobei Javier lieber in seiner Wohnung geblieben ist. Er hat uns aber mit Handtüchern und einem Bluetooth-Lautsprecher ausgestattet, bevor wir nach unten gegangen sind. Wir lagen also wie die Prinzessinnen höchstpersönlich mit Internetverbindung und Musik als einzige am Pool, haben den Sonnenuntergang genossen und konnten es einfach nicht fassen. Ein paar Tage zuvor auf San Blas waren wir noch froh um jeden Tropfen Süßwasser und hatten keinen Strom und dann diese völlig andere Welt. Unglaublich...

Am 9.11. wurden wir wieder von einem frühen Alarm geweckt. Obwohl wir unser Taxi zum Flughafen rechtzeitig bestellt hatten, kam dieses eine halbe Stunde zu spät und hat so unseren sowieso schon knappen Zeitplan noch einmal enorm ins Schleudern gebracht. Abflug 9.35 Uhr, unsere Ankunft am Flughafen um 8.50 Uhr. Das war wirklich ganz und gar nicht viel Zeit... Zu allem Überfluss muss bei Flügen nach Galapagos erst das gesamte Gepäck durchleuchtet, als nächstes an einem anderen Schalter 10$ bezahlt und erst dann eingecheckt werden. Bei der Schlange für die Kontrolle konnte es sich also bei dieser Prozedur nur um Stunden handeln. So ein Mist!  Bis wir am Check-in-Schalter ankamen, war es 9.20 Uhr und der Flug natürlich schon geschlossen!!! Auf den Schock folgte aber zum Glück recht schnell die riesengroße Erleichterung: Die Fluggesellschaft LAN hatte einen anderen Flug um 11 Uhr morgens, in dem noch Platz war. Also wurden wir einfach kostenlos umgebucht und mussten nur fast schon lächerliche eineinhalb Stunden auf den Flug warten.  Hoch lebe die südamerikanische Einfachheit (zumindest in manchen Punkten...)! 

Kommentare: 2
  • #2

    Marlen (Freitag, 12 Dezember 2014 17:04)

    Jetzt interessiert mich aber schon noch brennend, warum dieser Javier euch den ganzen Luxus und die ganzen Einladungen zu Gute kommen lassen hat!? Was für'n Glücksgriff!

  • #1

    Marjot (Montag, 24 November 2014 11:01)

    Um die fischplatte beneide ich euch....besitos de Alemañia ;)