Argentinien, da sind wir wieder

Am 4.2. haben wir morgens wie geplant die einstündige Fähre von Colonia del Sacramento nach Buenos Aires genommen und haben uns von einem Taxi vom Hafen direkt zum Hauptbusbahnhof Retiro bringen lassen. Dort sollte das große Wiedersehen stattfinden – Alenas Freund Christian kam für zwei Wochen zu Besuch nach Argentinien!

Statt erst mal in Buenos Aires zu bleiben sind wir ohne Umschweife nach Rosario gefahren (vier Stunden Busfahrt mit einem pfeifenden Ton von einem kaputten Fernseher...). Da Christian nämlich nach den gemeinsamen zwei Wochen noch weiter nach Brasilien wollte und wir Hühner uns über unsere Reiseroute noch nicht ganz im Klaren waren, haben wir das Apartment in Argentiniens Hauptstadt für die letzten gemeinsamen Tage reserviert.

Rosario wirkte auf den ersten Blick ganz nett, und genau das war es auch. Nett. Nicht mehr und nicht weniger. Es gab einen Strand am Fluss, an dem wir uns an unserem ersten ganzen Tag gesonnt haben, nachdem wir in einem kleinen Café einen Happen zu Mittag gegessen hatten. Baden konnte man allerdings leider kaum, weil der Abschnitt des Flusses, der für die Strandbesucher abgesperrt war, nicht tiefer als etwas über Kniehöhe war. Aber gut, Strand ist Strand ;-)


Das Wahrzeichen von Rosario ist das Monumento de la Bandera (Flaggen-Monument), denn in Rosario wurde zum ersten Mal die argentinische Flagge, wie wir sie heute kennen, gehisst. Wir hatten Glück und konnten an unserem zweiten Tag in der Stadt kostenlos den Aufzug zur Aussichtsplattform des Monuments benutzen, da wir kurz vor Siesta-Schließung ankamen und schon keiner mehr am Ticketschalter saß.  

Um die Zeit zu nutzen, in der die Argentinier Mittagspause machen, sind wir durch den riesigen Parque de la Indepencia gelaufen, der allerdings weniger einem Park glich als wir dachten. Überall waren Sportanlagen – Fußballplätze, Tenniscourts, eine Trabrennbahn etc. Es gab sogar eine vierspurige Straße dort hindurch! Sowas kann man dann doch nicht mehr Park nennen...

Ein bisschen Begeisterung für diesen wohl ansehnlichsten Teil des Parks. Naja...
Ein bisschen Begeisterung für diesen wohl ansehnlichsten Teil des Parks. Naja...

Nach dem Frühstück im Hostel sind wir weiter nach Westen gefahren, genauer gesagt nach Córdoba, Argentiniens zweitgrößte Stadt. Bis zum letzten Moment vor der Abfahrt aus Rosario waren wir uns nicht sicher, ob wir in einem überteuerten Hostel absteigen sollten, oder ob wir lieber ein Apartment mieten sollten. Auf die Schnelle haben wir tatsächlich eine Privatunterkunft gefunden, hatten jedoch nicht mehr die Zeit, alle Einzelheiten zu klären. Als wir um 18 Uhr in Córdoba vor der genannten Adresse standen, war es kein Wunder, dass uns niemand erwartete. Obwohl Alena über SMSen in Kontakt mit der Vermieterzentrale stand, kamen keine eindeutigen Antworten oder mehrmals die gleiche Nachricht hintereinander. Der Portier des Gebäudes, in dem wir die Wohnung vermuteten, hatte leider auch keine Ahnung und konnte uns nicht weiterhelfen. Nach zig vergeblichen Versuchen, im Büro anzurufen, hat nach über eineinhalb Stunden endlich jemand abgehoben und wir konnten die ganze Sache lösen. Während Christian kränkelnd auf das gesamte Gepäck aufpasste, sind wir zwei los zum Büro der Wohnungsvermietung und haben die Schlüssel abgeholt. Dort hat sich auch die Sache mit den dubiosen SMSen gelöst: Alenas Handy hat einfach nur die Hälfte der eigentlich geschickten Nachrichten erhalten und natürlich waren die wichtigen mit der Bestätigung der Reservierung und der Bitte, bei Ankunft in Córdoba im Büro vorbeizuschauen nicht dabei. Blöde Technik...

Zum Glück haben wir nicht aufgegeben und uns ein Hostel gesucht, denn die Wohnung war wirklich toll und super zentral gelegen.


Am nächsten Morgen ging es Christian leider noch schlechter als zuvor, weshalb wir alle im Apartment geblieben sind. Zwischendrin einen Tag nichts zu tun, mit Zu Hause zu skypen und ein bisschen zu lesen war für uns auch mal wieder ganz schön.

Als es Alenas Freund aber auch am zweiten Tag in Córdoba nicht besser ging und er weiterhin das Bett hütete, beschlossen wir Reisehühner unserem Titel gerecht zu werden und eben nur zu zweit die Stadt zu erkunden.  

Beim Tagesausflug nach Alta Gracia, einem Ort eine Busstunde von Córdoba entfernt, konnte der Mann in unserer Runde aber wieder dabei sein. Alta Gracia stellte sich als süßes kleines Städtchen heraus, das sogar seine eigene Berühmtheit vorweisen kann: Che Guevara ist hier 12 Jahre lang aufgewachsen und zur Schule gegangen.

An unserem vorletzten Tag in Córdoba sind wir nochmal zu dritt los zu den Ecken der Stadt, die wir Mädels bei unserer ersten Tour nicht erkundet hatten. Den Abend haben wir beim Sonnenuntergang auf einem Hügel mit Blick auf die Stadt und anschließendem Bier in einem lauschigen Biergarten ausklingen lassen.  

Hat nur äußerlich Ähnlichkeit mit einem Döner
Hat nur äußerlich Ähnlichkeit mit einem Döner

Nachdem wir am 12.2. morgens aus unserer Wohnung ausgezogen sind und unser Gepäck am Busbahnhof abgegeben hatten, liefen wir etwas planlos durch die Stadt, da wir eigentlich schon alles Wichtige/Interessante gesehen hatten. Hier zufällig ein Markt, da ein Eis, auch einen Espresso gab's spontan. Eines aber war von vornherein geplant: In unserem Reiseführer stand, dass es in Córdoba eine Dönerbude gäbe! Döner in Argentinien?? Das wollten wir genauer wissen und haben uns vor der Nachtfahrt zurück nach Buenos Aires jeder einen gegönnt. Vielleicht war die Vorfreude zu groß und unsere Erwartungen zu hoch (was soll man an einem Döner schon falsch machen?!), wir wurden jedenfalls stark enttäuscht. Das, was wir da serviert bekamen, war ein Burger mit Fleisch vom Spieß. Hätte man uns die Augen beim Essen verbunden, keiner von uns hätte auf Döner getippt. Tja, mal wieder was, auf das wir uns freuen können, wenn wir zurück in Deutschland sind.

Döner? Pah, alles andere als das...
Döner? Pah, alles andere als das...

Um halb 10 fuhr endlich unser Nachtbus nach Buenos Aires los, wir freuten uns schon alle drei auf eine Fahrt in den bequemen Bettsitzen (Cama). Als wir aber schon nach nicht mal einer halben Stunde Fahrt einer Art Halle der Busgesellschaft hielten, kamen schon die ersten Zweifel auf, ob wir die Nacht tatsächlich so ungestört schlafend verbringen konnten, wie wir dachten. Scherzhaft meinte einer von uns, dass wir am Ende noch den Bus wechseln müssten – hätten wir mal lieber die Klappe gehalten. Denn genau so kam es. Gerade hatten wir es uns gemütlich gemacht und uns in die Decken eingemummelt, da kam die Ansage, der Bus könne aufgrund technischer Probleme nicht weiterfahren. Beim Umsteigen kam dann das große Entsetzen: Der neue Bus hatte keine Schlafsitze, sondern nur Semicama!! Neeeiiiin! Natürlich haben sich alle beschwert und wollten wissen, was ihnen denn als Entschädigung zustünde. Mehr als die Differenz des Fahrtpreises von umgerechnet 7€/Person war aber nicht drin. Super... Tja, anscheinend setzte irgendjemand in Argentinien alles daran, dass wir keine einzige Fahrt ohne irgendwelche Probleme haben sollten (wer sich nicht mehr erinnert: Unsere erste Fahrt nach Salta, bei der man uns Geld für's Gepäckeinladen abgeknöpft hat, unser 25-Stunden-Trip nach Iguazú mit überflutetem Boden und verpasstem Anschlussbus, das nervige Gepiepse auf dem Weg nach Rosario und jetzt das...) Wir hatten einfach kein Glück mit den Bussen in Argentinien.

Dass wir statt um halb 7 erst um zehn in Buenos Aires ankamen, kann man natürlich gleich mit in diese Reihe aufnehmen. Aufgrund des Buswechsels kamen wir nämlich verspätet in der Hauptstadt an und standen logischerweise im vollen Berufsverkehrstau. Als wir dann auch noch einen Taxifahrer erwischt haben, der das Taxameter schon angemacht hat, als wir noch das Gepäck eingeladen haben und außerdem am Ende noch Extra-Geld für unser angebliches Übergepäck wollte, stand es uns wirklich bis oben hin. Wat'n doller Start für Buenos Aires...

Das Wohnzimmer
Das Wohnzimmer

Zum Glück war wenigstens das Apartment, auf das wir uns so lange gefreut hatten, auch tatsächlich so schön wie im Internet beschrieben. In den weichen Betten haben wir erst mal eine Runde Schlaf nachgeholt, von dem wir in der Nacht ja nicht viel bekommen hatten. Als wir mittags wieder aufgewacht sind, hatten wir zwar schon eine bessere Stimmung, aber trotzdem keiner Lust mehr, noch groß was zu tun. Uns ein bisschen mit unserer neuen Umgebung, den Vierteln Villa Crespo und Palermo, vertraut zu machen, hat für den Anfang gereicht.

Unser riesiger Balkon...
Unser riesiger Balkon...
...und die Küche.
...und die Küche.

Am Samstag erschien es uns das Beste, eine Free Walking Tour mitzumachen, um einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bekommen.  

Wie schon zuvor in Salta, Rosario und Córdoba wollten wir auch in Buenos Aires wieder Geld tauschen. Da Argentiniens Währung, der Peso, stetig an Wert verliert, flüchtet sich das Land in andere Währungen, hauptsächlich in den US-Dollar. Wenn man klug ist – so wie wir ;-) - und von den amerikanischen Scheinen ein bisschen was mit ins Land bringt, kann man einen guten Gewinn machen. Man muss nur wissen, wo und wie! Nach unseren Erfahrungen im Kleinformat bisher war der Geldwechsel in Buenos Aires der aufregendste. In der Haupteinkaufstraße, der Calle de la Florida, standen alle fünf Meter wie Bäume in einer Allee die Geldwechseler, arbolitos (Bäumchen) genannt. Nachdem wir den besten Wechselkurs ausgemacht hatten, sollte einer nach dem anderen an den vermeintlichen Blumenstand treten um das Geld zu tauschen. Aber bloß nicht alle auf einmal! „Am besten, die jeweils anderen beiden gehen ein paar Meter zurück und verhalten sich unauffällig, hier sind überall Kameras!“ Uuuh, das klang ja fast wie in einem Gaunerfilm :-) Es lief aber alles glatt und wir hatten endlich wieder Pesos in der Tasche.

Damit waren wir bestens für den sonntäglichen Antiquitätenmarkt in San Telmo ausgestattet, auf den wir am nächsten Tag fuhren. Es hieß ja, den dürfe man auf keinen Fall verpassen, also haben wir uns mit eigenen Augen überzeugt. Und wirklich, der Markt ist sehr schön (auch wenn man die wenigsten Dinge, die dort angeboten werden, gebrauchen kann), Tango wurde natürlich auch getanzt und man fühlt sich wie in die alten Tage der Stadt zurück versetzt.

Die folgenden Tage standen andere Stadtviertel wie Recoleta mit seinem mystischen Friedhof auf dem Programm, La Boca, berühmt für die vielen bunten Fassaden und der Hafen auf dem Programm.

Neben den typisch touristischen Aktivitäten hatten wir in der einen Woche Buenos Aires aber auch mal wieder Zeit für die ganz alltäglichen Dinge des Lebens: entspannte Fernseh-Abende auf der Couch, ein Glas Wein auf dem Balkon der Wohnung, die sich bald anfühlte wie unsere eigene, ein Friseurbesuch (Kristina hat sich einen Pony schneiden lassen) und auch Kino war mal wieder drin.

Leeeecker!
Leeeecker!

Doch da ja bekanntlich alles mal ein Ende hat, nahte am 19.2. unser letzter Abend in Buenos Aires. So schnell sind zwei Wochen vorbei... Mit einem Abschlussessen im Restaurant „La Battaglia“ nebenan stießen wir nochmal auf die gemeinsamen ereignisreichen und manchmal auch turbulenten, Tage an und gönnten uns ein saftiges argentinisches Steak.

Am Freitag Morgen war es dann so weit: Abschied! Wir fuhren alle drei zum Hafen, wo Christian die Fähre nach Colonia del Sacramento nahm, um sich auf den zweiten Teil seiner Reise, Uruguay und Brasilien, zu machen.

Damit waren wir beiden Hühner wieder allein. Und was tut man am besten, wenn Mädels unter sich sind? Genau – 50 Shades of Grey anschauen :-)

"Herr Grey wird Sie jetzt empfangen"
"Herr Grey wird Sie jetzt empfangen"

Nachdem wir unsere Rucksäcke bei der Gepäckstation der Busgesellschaft abgegeben hatten (die sie dann am Abend in den richtigen Bus geladen haben – endlich klappte mal was bzgl. Bussen in Argentinien), haben wir uns einen gemütlichen Nachmittag mit Kino und Kaffee gemacht.

Als der Nachtbus mit dem Ziel San Rafael auch noch pünktlichst um halb zehn abfuhr und wir neben leckerem, warmem Essen und freundlichem Service auch noch einen Gute-Nacht-Whisky bekommen haben, war wieder alles in Butter. Nach all den Städten freuten wir uns jetzt ganz besonders auf die kommenden zwei Wochen: Erntearbeit auf einer Farm mitten im Nichts kurz vor den Anden.

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