Cuba Libre - Die neue Freiheit in Kuba beginnen

Zuerst einmal entschuldigen wir uns für die lange Warterei auf diesen ersten Eintrag. Wie ihr gleich lesen werdet, ist Internet nicht das einzige, was es auf Kuba nicht gibt.


Zur Abreise nur ein paar Stichpunkte:

tränenreicher Abschied am Bahngleis, Zugfahrt zum Frankfurter Flughafen wie in Trance, Treff mit unserer ersten Reisebegleitung Maren am Flughafen, der letzte Moment auf deutschem Boden, jetzt geht es wirklich los!

Am Frankfurter Flughafen - bereit, die Welt zu erobern
Am Frankfurter Flughafen - bereit, die Welt zu erobern

Wir sitzen jetzt hier, an unserem letzten Abend auf Kuba, und wissen nicht wirklich, was wir schreiben sollen, weil wir so voll sind mit Eindrücken.

Das erste, was uns einfällt: Rum, Guacamole, Sonnenbrand, Zigarren, Taxi, Gurke, Brot. Knochentrockenes Brot. Das sind allerdings nicht gerade die Schlagworte, die ihr vielleicht erwartet hättet. Aber hier auf Kuba ist einfach nichts, wie man es erwartet hätte. Wenn man abseits der gängigen Touristenorte und -attraktionen reist und versucht, sich wie wir mit dem Rucksack selbstversorgend durch's Land zu bewegen und eben nicht in den Sternehotels mit All inclusive absteigt, wird man bitter enttäuscht. Wir jedenfalls.


Schon die Einreise am Flughafen von Havanna erwies sich als nervig und langwierig. Obwohl unsere Maschine die einzige war, dessen Passagiere durch die Passkontrolle mussten, hat es sich zeitlich angefühlt, als wären noch fünf andere Flugzeuge gleichzeitig mit uns gelandet. Bei jedem Einreisenden – und zwar egal, ob Kubaner oder Ausländer – wurde der Pass peinlichst genau inspiziert, die ausgefüllte Touristenkarte mehr als nötig unter die Lupe genommen und schließlich von jedem auch noch ein Foto gemacht, das bei nicht absolut normgerechter Haltung wiederholt wurde. Doch statt nach dieser ausgiebigen Kontrolle direkt zum Gepäckband gelassen zu werden, mussten wir erst noch durch eine Sicherheitskontrolle, die wir eigentlich bereits in Frankfurt hinter uns gebracht haben. Nachdem wir nach ewiger Wartezeit endlich unsere Rucksäcke hatten und auf der Suche nach einem Geldautomaten/einer Wechselstube waren (die es nicht gab), haben wir gleich in den ersten Minuten auf fremdem Boden einen Vorgeschmack der kubanischen Aufdringlichkeit bekommen, die uns die gesamte Zeit hier begleiten sollte: Von überall hieß es „Taxi! Taxi! Ladies, you need Taxi?“.

Nach dem langen Flug und den Erlebnissen am Flughafen fielen wir völlig kaputt in unsere Hotelbetten.

Den nächsten Tag haben wir dafür genutzt, unsere Zeit auf Kuba zu organisieren und vom überteuerten Hotel in eine private Unterkunft, eine Casa Particular, umzuziehen (zum Vergleich: eine Nacht/Person im Hotel 30€, eine Nacht/Person in der Casa 10CUC = 7,80€). Schon da haben wir ernüchternd festgestellt, dass es in Havanna kaum Supermärkte gibt, was die Selbstversorgung schwierig macht. Außerdem bieten die wenigen Läden, die es gibt, kaum mehr an als Dosentomaten, Rum und Mayonnaise. 

Unzumutbar für einen europäischen Magen: Ungekühltes Fleisch, das bei 35° vor sich hin gammelt...
Unzumutbar für einen europäischen Magen: Ungekühltes Fleisch, das bei 35° vor sich hin gammelt...

Am Freitag, 26.9. ging es für uns mit einer organisierten Tour ins Valle de Viñales (Viñales-Tal). Nach einer dreistündigen Fahrt auf der Autobahn, auf der auf Kuba auch Pferdekutschen, Radfahrer und sogar Fußgänger erlaubt sind, wurden wir erst durch eine Rumfabrik geschleust, anschließend über eine vermeintliche Tabakplantage gehetzt und durch eine wenig spektakuläre Höhle geschippert. 

Das uns servierte Mittagessen war ein einziger Graus, bestehend aus knochentrockenem Brot der vorigen Woche, fadem Kraut&Tomaten, staubigen Moros&Cristianos (Reis mit Bohnen) ohne jegliche Soße, sehnigem Fleisch, lieblosem Schokoladenpudding und wässrigem Kaffee. Bevor der tägliche Regenguss begann, wurden wir noch schnell zum Fotostopp an den Aussichtspunkt gebracht, mit dessen Ausblick in den Reisekatalogen für Viñales geworben wird. Mehr als zehn Minuten dort waren uns aber nicht vergönnt. 

Die schöne Natur des Viñales-Tals
Die schöne Natur des Viñales-Tals

Nach diesem Ausflug waren wir froh, unseren weiteren Kubaaufenthalt auf eigene Faust bestreiten zu können.


Zu Buspreisen wie in Deutschland nahmen wir am Samstag Morgen den Bus nach Cienfuegos, wo wir auf gut Glück in der rosaroten Welt von Carlos und Roberto unterkamen, die uns sofort wie lang ersehnte Familienmitglieder aufnahmen und uns wirklich angenehm umsorgt haben. 

Nach den vergangenen Tagen mit kümmerlichen Mahlzeiten kam uns das selbst gekochte Abendessen von Roberto schon fast wie ein Gourmetdinner vor.

Cienfuegos an sich hat leider nicht viel zu bieten, weshalb wir nach einem Tag auch schon alles Sehenswerte abgelaufen hatten (wobei wir ca. alle 5 Minuten angesprochen wurden: Chicas, Taxi? Hola guapas! Tstststs!!!Lindas! Restaurant? Que hermosas, chicas! Und sogar Ladies, you need boyfriend?).  

Nach nur einer Nacht haben wir deshalb beschlossen, ins nicht weit entfernte Trinidad weiterzureisen. Roberto hatte einen Bekannten dort, Jesús, in dessen Casa Particular wir günstig unterkamen.

Die Fahrt dort hin hat uns eindrucksvoll ein Bild der üppigen Natur hier vermittelt. Auf kleinster Fläche findet man so ziemlich alles an Landschaft, was man sich vorstellen kann: Von Gebirge über steppenartige Grasflächen bis hin zu dschungelähnlichen Wäldern und palmengesäumten Stränden wie im Bilderbuch.

Die drei Tage im beschaulichen Städtchen Trinidad haben wir sehr kubanisch verbracht: ab und zu mal ein kleiner Rundgang durch verschiedene Ecken der Stadt (bei denen uns natürlich auch in Trinidad ständig die üblichen Sprüche auf Schritt und Tritt verfolgt haben), einen Tag haben wir komplett am Strand verbracht (und hatten die teils schlimmsten Sonnenbrände, die wir uns je zugezogen haben) und ansonsten taten wir ziemlich oft einfach … nichts.  

Da waren wir noch froher Dinge. Bei dem Sonnenbrand, den sich jede von uns zugezogen hat, ist uns dann am Ende des Tages allerdings das Lachen vergangen.
Da waren wir noch froher Dinge. Bei dem Sonnenbrand, den sich jede von uns zugezogen hat, ist uns dann am Ende des Tages allerdings das Lachen vergangen.

Rumhaltige Heiß- und Kaltgetränke haben uns ein bisschen die Abende verkürzt, die Schmerzen gelindert und außerdem unseren Gastgeber Jesús erträglicher gemacht, der uns mit seiner permanenten Fragerei, ob denn Todo bien (alles gut) sei, ziemlich auf die Nerven ging. Als er dann auch noch versuchte, uns gefälschte Zigarren anzudrehen, begann aus der Genervtheit langsam Aggressivität und Wut zu werden. Wo es nur geht, wird man hier als Tourist abgezockt, hintergangen und für dumm verkauft!

Trotzdem muss an dieser Stelle schon auch festgehalten werden, dass Trinidad an sich eigentlich ein niedliches, v.a. buntes Städtchen ist, das im Gegensatz zu den bisher besuchten Orten sehr aufgeräumt und gut erhalten wirkt.  

Zurück in Havanna waren wir mal wieder gezwungen, uns irgendwo etwas zu essen zu suchen. Schon am ersten Abend haben wir das verhältnismäßig günstige Café Europa entdeckt. Doch außer den Preisen war dort alles einfach grauenvoll: schlechter Service, unfreundliche griesgrämige Kellner und Gerichte, dessen katastrophaler Geschmack kein Adjektiv adäquat beschreiben kann. Als sich dann auch noch der einfache Wasserkauf als Odyssee herausstellte, waren wir langsam der Verzweiflung nahe. Die einzige Antwort auf unsere Frage, ob wir denn bitte eine Flasche Wasser kaufen könnten, war: No hay (Es gibt keines). Spätestens in diesem Moment wurde uns das Ausmaß des kommunistischen Systems hier bewusst. Es gibt einfach nichts! Wenn keine Lieferung erfolgt, dann gibt es eben einen Tag lang kein Wasser! Das alles ist einfach so unfassbar und so unglaublich, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Kein Wasser, keine Lebensmittel – was soll man denn da noch zu sich nehmen?! Rum ist die Antwort. Den gibt es immer und außerdem sehr günstig. Kein Wunder, dass die Kubaner tagein, tagaus wie gelähmt in ihren Schaukelstühlen sitzen und eben nichts tun. Arbeiten lohnt sich auch nicht, der Durchschnittsverdienst liegt bei umgerechnet knapp 20€! (Nein, das ist kein Schreibfehler, hier fehlt keine Null...), wie wir in einem der aufschlussreichen Gespräche mit unseren Unterkunftsbesitzern erfuhren.

Uns blieb nichts anderes übrig, als jeden Tag Avocados und Gurken zu kaufen. Die gab es en masse bei jedem Straßenverkauf. Deshalb die Stichworte Guacamole und Gurke. Nach über einer Woche wird uns schon fast beim Gedanken an diese Lebensmittel schlecht...  

Immer und immer und immer und immer wieder Guacamole mit trockenem Brot.
Immer und immer und immer und immer wieder Guacamole mit trockenem Brot.

Entgegen der Annahme, dass bei einem so geringen Einkommen auch die Lebensmittel mehr als günstig sein sollten, kosten die wenigen Dinge, die man findet, ungefähr das gleiche wie in Deutschland.

Als wir heute, an unserem letzten Tag auf Kuba, unsere restlichen Pesos bei einem Kaffee loswerden wollten (man kann sie nicht zurücktauschen), gab uns dieses eigentlich so simple Vorhaben den psychischen Rest: In allen Cafés der Innenstadt waren nur noch Kaltgetränke zu kriegen, da es eben heute keinen Strom gibt.

Natürlich waren wir darauf eingestellt, dass uns hier nicht der gewohnte europäische Standard erwartet. Das wollten wir auch gar nicht! Immerhin reisen wir ja, um neue Länder und neue Kulturen kennenzulernen und eben auch durch die ein oder andere Entbehrung wieder den Luxus von zu Hause schätzen zu lernen, doch was wir hier erlebt haben, gleicht wirklich schon einer Grenzerfahrung. Die Erkenntnis, dass es einfach nichts gibt, nicht einmal, wenn man bereit wäre, viel Geld auszugeben, dass die Menschen hier der Hoffnung nachhängen, die Castros mögen es irgendwann schon dahin raffen und dann ändere sich alles, bis dahin aber aus Angst vor dem Regime eben GAR NICHTS tun und sich wörtlich in Rum ertränken, dass den Touristen mit fröhlicher Salsamusik an jeder Ecke ein Kuba vorgegaukelt wird, das in Wirklichkeit nur als Schein existiert, diese Erkenntnis ist bitter. Umso ironischer erscheint uns mittlerweile der Name des Cocktails, den wir gerade trinken und den wir auch – damals noch nichts ahnend – als Überschrift für diesen ersten Reiseabschnitt gewählt haben: Cuba Libre. Noch nie haben wir uns so wenig frei gefühlt wie in diesem Land. Cuba libre - freies Kuba. Was für eine Ironie.

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Kommentare: 12
  • #1

    Seane und Uwe (Sonntag, 05 Oktober 2014 18:53)

    oh mei, das ist da nicht gerade der Hit was ihr da erlebt hat. ich hoffe, dass es jetzt nur noch besser werden kann.

  • #2

    hellafraass (Sonntag, 05 Oktober 2014 18:56)

    bin sehr sehr mfroh, von dir zu hören.wir spielen gerade zusammen kanasta. sei ganz fest gedrückt und lass wieder von dir hören.

  • #3

    Papa (Sonntag, 05 Oktober 2014 19:51)

    Vielleicht gibt es ja doch noch was anders zu essen: Rumkugeln? :-)
    Wir hoffeb das beste für euch 3

  • #4

    CP (Montag, 06 Oktober 2014 09:57)

    Schön, was von dir zu lesen und zu sehen :) Zumindest macht ihr noch glückliche Gesichter und die visuellen Eindrücke von Kuba machen den vorübergehenden Verzicht auf Konsum sicher erträglich ^^

  • #5

    Onkel Dietmar (Montag, 06 Oktober 2014 12:15)

    klingt interessant. Den ersten Kulturschock habt ihr jetzt hinter euch. Frei nach Erich Honecker: " Vorwärts immer , Rückwärts nimmer". Das Fleisch sieht ja richtig lecker aus. Normalerweise ist gleich eine Autowerkstatt daneben...und die machen gerade einen Ölwechsel...das Altöl wird dann auch umweltgerecht nach der "Entsorgungsverordnung" in den Rinnstein entsorgt....Immer schön Gegrilltes essen....und muss gut durch sein.....grinss... bin gespannt auf den nächsten Bericht...

  • #6

    sophia (Montag, 06 Oktober 2014 21:19)

    Schade das kuba nicht so toll war wie erwartet , aber ihr habt ja noch vieeeel vor euch ! Ich freu mich wenns euch gut geht ! Bin gespannt auf eure naechsten einträge :)

  • #7

    Marjot (Montag, 06 Oktober 2014 21:50)

    "Now I'm gonna tell my momma
    That I'm a traveller
    I'm gonna follow the sun Don't stop, you got to move
    Keep moving on, moving on..."

    Havanna und der Sonnenuntergang - qué fantástico ! Besitos del pais que tiene leche fresco :D

  • #8

    Marlen (Dienstag, 07 Oktober 2014 09:04)

    Alenchen! Ich glaube, du bist inzwischen schon die dritte Person, die mir erzählt, dass sie von Kuba mehr oder weniger enttäuscht war. Und diese Personen waren z.T. sogar in diesen 4****-Ressort untergekommen!

    Seht es mal so, jetzt kann es erstmal nur noch besser werden. Ich drücke euch dafür ganz fest die Daumen und schließe ebenfalls mit einem Songzitat:

    "Sometimes the light's all shinin' on me,
    Other times I can barely see.
    Lately it occurs to me what a long, strange trip it's been..."

    ...Ich glaube, ich mache mir jetzt erstmal 'ne leckere Guacamole ;-)

  • #9

    Der Chrissi (Dienstag, 07 Oktober 2014 20:03)

    Wenn es ein Trost für euch ist: Hier kann man absolut keinen Sonnenbrand mehr bekommen ;)

  • #10

    Tante Ute (Mittwoch, 08 Oktober 2014 13:06)

    Hallo liebe Alena,
    trotz allem....Kompliment für euren schönen ersten Reisebericht....macht richtig Spaß von euren Erlebnissen zu lesen....das "Schöne" von Kuba ist, es bleibt euch ewig in Erinnerung!!!.....weiterhin viel viel Spaß euch dreien oder zweien.....und ich freu mich schon auf eure weiteren Erlebnisse......

  • #11

    von Omi (Donnerstag, 16 Oktober 2014 21:15)

    Hallo, liebes gescheites kluges Mädchen, habe gerade von Papa die Blockadresse bekommen und möchte Dir (Euch) sagen, daß alles was Du schreibst druckreif ist. In Gedanken bei Dir, wünsche ich Dir und Deiner Freundin noch viele viele schöne Eindrücke und freue mich schon auf Deinen nnächsten Bericht. Alles alles liebe Deine Omi

  • #12

    Carsten aus Leipzig (Mittwoch, 06 Mai 2015 08:17)

    Nicht nur Eure Bilder sind beeindruckend, sondern der ganze Reisebericht. Wirklich klasse geschrieben - so - als wären man dabei! Obwohl, bei dieser von Euch beschriebenen Verpflegung, lieber nicht :-)

    Ich freue mich auf Panama! Bis gleich.

    LG Carsten aus Leipzig