Zwischen Pferden und Salzwüsten

Schon am Morgen der Abfahrt von Puno (Peru) nach La Paz (Bolivien) ging es Alena nicht so gut, aber dieses flaue Gefühl im Bauch kennen wir beide nun schon zu Genüge, weshalb sie sich keine weiteren Gedanken gemacht hat.

Der Grenzübergang von Peru nach Bolivien verlief zwar problemlos, dauerte aber. In Copabana (bolivianisches Städtchen am Titicacasee) angekommen ging es Alena zunehmend schlechter, der Bauch hat auch schon ordentlich rumort. Da uns aber eine zweistündige Busfahrt bis zum nächsten Halt bevorstand, hat sie mit einer Reisetablette vorgesorgt. Leider konnte sie aber ihren Körper auch damit nicht zwingen, sich zu beruhigen und so kam es, wie es kommen musste: Nach einer kurzen Weile im Bus kam das Abendessen des Vortages und auch das Frühstück wieder raus. In Ermangelung einer Tüte landete alles auf den Klamotten und dem Rucksack, der neben Alena stand. Es gibt wirklich nichts ekeligeres als wenn sich jemand in einem Bus übergibt, der erst Stunden nach dem Malheur hält. Und am allerschlimmsten ist es, wenn man selbst dieser jemand ist... Gott sei Dank saß neben Alena ein unglaublich freundlicher, junger Japaner, der sie mit Massen an Klopapier versorgt und sogar ihren Rucksack sauber gemacht hat! Auf Alenas tausende Dankeschöns schenkte er ihr ein Lächeln und meinte ganz selbstverständlich: "Das Wichtigste ist einander zu helfen." Wahnsinn. Der stille Held des Tages.

Nach knapp 10 Stunden Fahrt erreichte der Bus um 18 Uhr endlich sein Ziel La Paz. Noch am Busbahnhof haben wir aber beschlossen, direkt weiter nach Sucre zu fahren, da uns schon der Anblick aus dem Bus auf die Stadt gereicht hat. Groß. Laut, dreckig – nein danke, das hatten wir ja schon in Lima. Außerdem hatte die Mehrheit der Reisenden, die wir getroffen haben, keine gute Meinung über Boliviens größte Stadt. Und da wir ja – wie schon einmal erwähnt – bis Weihnachten gerne schon in Argentinien sein wollten, kam es gerade recht, diesen Ort einfach zu überspringen.

Glücklicherweise fuhr um 20 Uhr tatsächlich ein Nachtbus nach Sucre, in dem Kristina uns Schlafsessel gesichert hat, weil es Alena schon wieder ganz und gar nicht gut ging...

Mit einer Tüte in der Hand ging also der Busmarathon weiter und sie hat sich auch keine ganze Stunde nach Abfahrt bezahlt gemacht. Diesmal war alles schön im Plastikbeutel gelandet und anscheinend war endlich alles draußen, was die Übelkeit verursacht hat. Gott sei Dank! Die Fahrt war alles andere als erholsam, für Alena aus gerade genannten Gründen und für Kristina, weil sie ihren angeblichen Schlafsessel aufgrund eines Konstruktionsfehlers nicht weiter als einen normalen Busssitz nach hinten neigen konnte. Da war schlicht und einfach die Rückwand des Busses im Weg. Also wieder was gelernt: Nicht den letzten Sitz im Bus reservieren, denn entweder stinkt da das Klo am heftigsten oder die Sitzlehne stößt an die Rückwand. Außerdem roch es die ganze Zeit über nach Ziege und Tierkacke. Entschuldigung, wenn wir das so sagen, aber das kommt davon, wenn die einheimische Bauernbevülkerung mit im Bus reist...

Am 14.12. gegen halb 10, also nach knapp 26 Stunden Reisezeit, haben wir unsere Füße auf bolivianischen Hauptstadtboden gesetzt. Was für ein Abenteuer!

Ohne Umschweife haben wir uns vom nächstbesten Taxi in ein zuvor ausgesuchtes Hostel bringen lassen und zum ersten Mal das bolivianische Preisparadies bemerkt. Peru war ja schon günstig, aber Bolivien toppte das nochmal um ein vielfaches. Taxi? Zwanzig Minuten Fahrt zwei Euro. Hostel? Bett im 4er Zimmer 4,80 Euro. Essen? Hausgemachte Lasagne im guten Restaurant fünf Euro oder Empanada (mit Fleisch oder Käse gefüllte Teigtasche) zum Mitnehmen auf die Hand nicht mal 50 Cent. Juhu, so soll das sein! Ein Traum für jeden Sparfuchs :-)

Um uns nach dem langen Sitzen die Beine zu vertreten und auch, um den Tag nicht ganz ungenutzt zu lassen, sind wir zum angeglich schönsten Friedhof Boliviens gelaufen. Doch was sich uns da bot, war eher zum Schmunzeln als zum Bestaunen. Die "Schönheit" stellte sich als riesengroßer Kitsch heraus, der für ein europäisches Auge auf einem Friedhof fehl am Platz wirkt.


Gräber gab es kaum, dafür umso mehr Nischen für Urnen oder auch nur für Ramsch wie Colafläschchen aus Plastik, Engelfigürchen in knallbunten Farben, endlos viele Kunstblumen und zahlreichen anderen Kitsch. Interessant, wie sich die Geschmäcker auch rund um den Tod unterscheiden :-)

 

Nachdem wir tags zuvor einige Adventsgrüße aus Deutschland bekommen haben, haben wir beschlossen, uns jetzt auch endlich mal dem Weihnachtsfieber anzuschließen und Plätzchen zu backen. Aber das war leichter gesagt als getan, denn die typischen Zutaten wie Haselnüsse, gemahlene Mandeln oder Schokolade und auch die Ausstecher sind in einem normalen Supermarkt nicht oder nur für sehr viel Geld zu bekommen. Am Ende haben wir ein Rezept für Orangenplätzchen gefunden, dessen Zutaten wir mehr oder weniger ausfindig machen konnten (stellt euch vor, einfaches Backpulver kennt in Bolivien niemand!). Hier das Ergebnis:

In der Weihnachtsbäckerei - Orangenplätzchen en masse!
In der Weihnachtsbäckerei - Orangenplätzchen en masse!

Trotz heißer Temperaturen sind wir danach zum besten Aussichtspunkt der Stadt gelaufen. Immer schön bergauf. Aber das können wir ja jetzt nach den Trekking-Erfahrungen ganz gut, hehe. Neben einer schönen Sicht gab es auch schönen Schmuck zu kaufen. Das Herunterhandeln des Preises von umgerechnet je 3,60 auf 2,70€ für ein Paar Ohrringe und einen Armreif war angesichts des niedrigen Preises schon etwas komisch, aber wahrscheinlich haben wir immernoch viel gezahlt. Aber diese günstigen Angebote überall sind einfach zu verlockend und wir haben es sehr genossen, uns ohne großes Nachdenken mal wieder ein paar kleine Extras zu gönnen. Hier ein Kettchen, dort ein Kaffee, vielleicht noch ein Eis – kostet ja alles nichts.  

Deshalb haben wir es auch nicht versäumt, den "Hobbit Teil 3" anzuschauen. Die Möglichkeit, einen 3D-Film für vier Euro im Kino anzugucken, hat man schließlich nicht jeden Tag.

 

Beim Abendessen in unserem Lieblingsrestaurant dann die Überraschung des Tages: Nach einigem Durchrechnen der Zeit/der verbleibenden Tage und der spontanen Suche nach günstigen Flügen wurden wir fündig. Wir fliegen am 31.12. von Iguaçu für Silvester nach Rio de Janeiro!!!

Nach einem Tag des Organisierens einer Unterkunft in Rio (um Himmels Willen sind die alle teuer …) und generellem Tran sind wir am Abend des 16.12. weiter nach Tupiza gefahren, einem kleinen Örtchen südlich von Sucre, schon nahe der Grenze zu Argentinien. Wir haben gelesen, dass man dort super und v.a. recht günstig reiten könne und auch Touren in die Salzwüste Salar de Uyuni angeboten werden, die wir seit Planung der Reise schon im Programm hatten.

Ausnahmsweise nicht mit Verspätung, sondern eine Stunde früher als planmäßig wurden wir um vier Uhr morgens in Tupiza am Busbahnhof rausgeschmissen und haben schlaftrunken in einem zum Glück nur wenige Meter entfernten Hostel eingecheckt.  

Weihnachtsstimmung auch in Tupiza: Der Weihnachts-baum auf dem Marktplatz
Weihnachtsstimmung auch in Tupiza: Der Weihnachts-baum auf dem Marktplatz

Dort gab es zufälligerweise gleich einen Anbieter von sämtlichen Unternehmungen, die man in der Gegend von Tupiza machen kann. Wir haben wegen der Nebensaison einen Rabatt für die viertägige Salzwüsten-Tour bekommen und uns für den nächsten Tag einen siebenstündigen Reitausflug durch die beeindruckende Landschaft dort herausgesucht.

Nur wir zwei, unser Guide und vier treue Hunde, die uns den ganzen Tag über begleitet haben inmitten von Mini-Canyons, bizarren Felsformationen und einem idyllischen Tal. Natur und Freiheit pur!  

So schön dieser Ausflug auch war, wir haben eindeutig den Effekt von sieben Stunden Pferderücken unterschätzt und noch am selben Abend solche Schmerzen gehabt, dass man da schon nicht mehr von Muskelkater reden konnte. Das bloße Sitzen auf einem Stuhl war unmöglich. Wirklich und ganz echt unmöglich. Doch viel sitzen mussten wir sowieso nicht mehr, nur liegen, denn wir sind schon früh ins Bett gegangen. Am nächsten Morgen startete sehr früh nämlich unsere Tour nach Uyuni in die Salzwüste.

Der Trupp bestand aus Igor und Melissa (Australien), Veronica (Italien) und natürlich uns und dem Fahrer Nico. Wir ersparen euch, hier jetzt die genaue Reiseroute zu schildern, denn dann würden sich die Worte Jeep, lange Fahrten und Stopps zum Fotosmachen nur unnötig oft wiederholen. Insgesamt saßen wir fast vier ganze Tage lang zu sechst in einem Jeep und haben die Landschaften, die an uns vorbei zogen, genossen. Jawohl, LandschaftEN, denn v.a. am ersten Tag hat sich fast stündlich das Bild, das wir durch unsere Autofenster sahen, geändert. Höhepunkte waren verschiedene Lagunen, das Bad in heißen Quellen, die Übernachtung in einem Hotel komplett aus Salz und natürlich der Sonnenaufgang in der Salar de Uyuni, der Salzwüste, am letzten Tag. 

1. Tag: Ganztägige Fahrt durch die Lípez-Ebene

2.Tag: Salar de Chalvirí (eine klitzekleine Salzwüste), heiße Quellen, Laguna Verde (grüne Lagune), Geysire "Sol de Mañana" und Laguna Colorada (bunte Lagune, die eigentlich rot ist)

3.Tag: Steinerner Baum (Árbol de Piedra), viele Lagunen und Übernachtung im Salzhotel

Oben: Laguna Honda, die wir am zweiten Tag passiert haben.
Rechts: Pampasfuchs. Nach der Jagd unseres Jeeps war der kleine Zorro (sp. Fuchs) ganz schön erschöpft.


4.Tag: Endlich war es so weit, zu Sonnenaufgang waren wir in der Salzwüste Uyuni mit Besuch auf der natürlichen Insel Incahuasi (die Salar de Uyuni war ja mal ein See). Danach haben wir noch einen Abstecher zum Friedhof der Züge gemacht und die Heimfahrt nach Tupiza angetreten.

Weiß, weiß, weiß. Überall weiß. Und darüber erstrahlte die Morgensonne.
Weiß, weiß, weiß. Überall weiß. Und darüber erstrahlte die Morgensonne.

Blick auf einen Teil der Wüste von er Incahuasi-Insel aus
Blick auf einen Teil der Wüste von er Incahuasi-Insel aus
Zeit für ein bisschen Spaß :-)
Zeit für ein bisschen Spaß :-)


Kommentare: 4
  • #4

    Marlen (Donnerstag, 29 Januar 2015 09:14)

    Wenn man das alles, was ihr allein in diesem Eintrag erlebt habt, in einem Urlaub erleben würde, wäre es der geilste Urlaub überhaupt. Echt atemberaubend.

    Ich würde mich außerdem meinem Vorredner anschließen; ich würde ebenfalls am liebsten sofort in ein Flugzeug steigen und anfangen zu reisen!!! :-)

    Muchos abrazos!!!

  • #3

    Papa (Samstag, 10 Januar 2015 11:23)

    Ihr seid so begnadete Fotografen und Schreiber! Warum nicht immer so weiter machen? Eure Artikel, Reisebeschreibungen und Bilder sind einfach irre!
    G R O S S E S K O M P L I M E N T
    Mit jedem Bild wächst meine Reiselust, und die ist bereits vor wochen durch die Decke gestoßen ;-)


  • #2

    Annika (Donnerstag, 08 Januar 2015 23:53)

    ...Ich bin jedes mal "hin und weg" von euren Beiträgen... Es ist soooo toll was ihr erlebt!!! Aber eines muss ich ja sagen - so langsam fang´ ich echt an Krissi richtig zu vermissen. Eine Umarmung oder ein kurzer Kaffee zusammen wäre wirklich schön... :-* Liebste Grüße an Alena! :-*

  • #1

    Niklas (Dienstag, 06 Januar 2015 22:10)

    Ein dickes, fettes Lob für alle Fotos in diesem Eintrag! Unglaublich gut und schön :)